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Unsere Antwort auf die Grußbotschaft der japanischen Vereinigung der Überlebenden der Atom- und Wasserstoffbomben (Nihon Hidankyo) zu unserer Kundgebung am Schwanenteich am 5. August

(im Anhang die Grußbotschaft von Nihon Hidankyo)

Herrn
Prof. Terumi Tanaka
Generalsekretär der Vereinigung
der Überlebenden der Atom- und Wasserstoffbomben
(Nihon Hidankyo)
Gable Bldg. #902
1-3-5 Shiba-Daimon Minato-ku
Tokyo 105-0012 Japan

Rostock, 18. August 2015

Sehr geehrter Herr Professor Tanaka, sehr geehrte Mitglieder von Nihon Hidankyo,

vielen Dank für Ihr inspirierendes Grußwort zu den Gedenktagen anlässlich des 70. Jahrestages der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Wir sind ein Zusammenschluss unterschiedlicher Menschen, die für friedenspolitische Themen vor Ort einstehen. Im Frühjahr haben wir an einer Kampagne des Zivilen Ungehorsams am Atomwaffenstandort Büchel teilgenommen und die Zufahrt zum Stützpunkt blockiert. In Büchel lagern die letzten Atomwaffen auf deutschem Boden.

Hier in Rostock haben wir in Zusammenarbeit mit der örtlichen Gruppe der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) und der Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) am Abend des 5. August eine Kundgebung veranstaltet. Wir trafen uns an einem kleinen Zen-Garten. Seine Anlage geht auf eine gemeinsame Freundschaftsinitiative der Städte Rostock und Kyoto Ende der 1980-er Jahre zurück. Auf einem nahegelegenen Teich ließen wir entsprechend der uns aus Ihrem Land bekannten Tradition für die Opfer der Atombombenabwürfe brennende Kerzen schwimmen. Im Internet können Sie die Ankündigung und Fotografien von unserer Veranstaltung anschauen:

http://www.rostocker-friedensbuendnis.de/node/463

Bei dieser Gelegenheit wurde auch Ihr Grußwort verlesen. Die Teilnehmer der Kundgebung schlugen vor, Ihnen ein Antwortschreiben zu schicken. Diesem Vorschlag haben wir sehr gern entsprochen.

Uns verbindet vor allem der Kampf gegen die noch bestehenden Atomwaffenarsenale, die eine ständige Bedrohung durch neue atomare Katastrophen bedeuten und bis heute Krankheit und Leid über die betroffenen Menschen bringen. Ein internationales Verbot, durchgesetzt von den Menschen an der Basis, ist das einzige wirksame Mittel, um die Auslöschung der Menschheit durch eine solche Waffe dauerhaft zu verhindern. Dafür kämpfen wir in unserer Stadt, aber auch in unserem Land, das nach wie vor durch die atomare Teilhabe der NATO an dieser menschenverachtenden Bedrohung beteiligt ist. Die Grundlage für diese Beteiligung ist ein Großmachtdenken, das einzig und allein auf militärischer Absicherung wirtschaftlicher Interessen beruht und zivile Konfliktlösungsstrategien erst gar nicht zulässt. Wie in Japan beobachten wir auch bei uns zunehmend den Versuch der Regierung, die Gesellschaft zu militarisieren und sie mit dem Militär zu versöhnen. Was wir aber brauchen, ist ein anderes Denken, denn, wie es bei uns in der Friedensbewegung heißt: Entweder wir schaffen die Atombombe ab oder die Atombombe schafft uns ab.

In diesem Sinne würden wir uns freuen, wenn wir weiter in Kontakt bleiben und im Austausch stehen könnten. Sollten Mitglieder Ihrer Organisation als noch lebende Zeitzeugen einmal in Europa verweilen, würden wir sie gern zu einer Veranstaltung einladen. Ihr kollektives Gedächtnis für das katastrophale Leid darf nicht verlorengehen, sondern muss an jüngere Generationen weitergeben werden.

Wir würden uns freuen, wieder von Ihnen zu hören.

Mit herzlichen Grüßen
Rostocker Friedensbündnis