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Morgen auf dem Kanonsberg: Für eine friedliche Hanse Sail!

Morgen, am 8. August ab 9 Uhr, stehen wir auf dem Kanonsberg. Mit Fahnen und Transparenten der Friedensbewegung wollen wir ein deutliches friedenspolitisches Zeichen gegen die fortschreitende Militarisierung der Sail setzen. Wer uns unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen! Hier der Text des Flyers zu unserer morgigen Kundgebung:

Willkommen auf der Bastion!

Die Stadt Rostock möbelt ihre alten Befestigungsanlagen auf. Immer wieder wird ein neues Stück saniert. Militärische Traditionen sollen besser zur Geltung kommen. Auf dem Kanonsberg, auch Fischerbastion genannt, wuchsen früher Bäume und Sträucher. Alles weg! Dafür lässt man lieber das Denkmal für den Kommunisten und Gewerkschafter Hermann Duncker an der Langen Straße zuwuchern und auch das Denkmal für die revolutionären Matrosen am Kabutzenhof verrottet weiter.

Wie sehr erinnert das doch an die Festung Europa! An ihren Grenzen scheitern jährlich Tausende Flüchtlinge, die Touristenattraktion Mittelmeer wird zum Massengrab. Damit das so bleibt, hat die Europäische Union sich eine militärische Lösung überlegt. Zunächst gilt es, die Schlepper zu überwachen, denn auf irgendjemanden muss man die Schuld ja schieben – die Kriege und Krisen, die von Politik und Militär der EU-Staaten in die Länder der Flüchtlinge hineingetragen werden, dürfen jedenfalls nicht schuld sein! Später geht es dann an die Zerstörung der Boote und dann in die Häfen und an Land, vorzugsweise in Libyen, wo man es sich leisten kann, denn das Land liegt dank EU und NATO in Trümmern.

Was das alles mit Rostock zu tun hat? In Rostock befindet sich das Marinekommando. Das ist die oberste Führungsinstanz der Deutschen Marine. Das heißt: Rostock spielt eine führende Rolle bei der militärischen Flüchtlingsabwehr. Schon heute befinden sich bundesdeutsche Kriegsschiffe im Mittelmeer. Sie legen die Grundlagen für das weitere Vorgehen der EU. Zu Hause kümmert sich die Deutsche Marine vor allem um die militärische Zusammenarbeit der Ostseeanrainerstaaten. „Die Ostsee muss ein Meer des Friedens sein“, hieß es früher. Jetzt nicht mehr. Im Ostseeraum bringen sich die NATO-Armeen gegen Russland in Stellung. Estland, das in diesem Jahr Partnerland der Sail ist, hat von der Bundesverteidigungsministerin bereits mehr Unterstützung zugesagt bekommen. Die bundesdeutsche Luftwaffe macht dort schon Luftraumüberwachung. 

Hier auf der Hanse Sail gibt sich die Marine ganz kumpelhaft. Man kann Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr kennenlernen, den Stützpunkt besuchen und es gibt sogar einen Gottesdienst auf einer Korvette (allerdings nur für geladene Gäste!). Die Marine ist also kein Schmuddelkind. Im Gegenteil, „Rostock und Marine gehören untrennbar zusammen – auch bei der Sail“, wird der Marine-Inspekteur zitiert, der oberste Vorgesetzte dieser Teilstreitkraft. Ein Viertel aller Veranstaltungen der Hanse Sail 2015 sind militärischer Art. Einen Tag vor der Hanse Sail findet das so genannte Maritime Sicherheitskolloquium statt – die Münchner Sicherheitskonferenz von Rostock. Mit dem Einlaufen des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ und der Korvette „Braunschweig“ am Vorabend dieses Kolloquiums begann das Programm der Hanse Sail. In Kiel gab es dieses Jahr ebenfalls eine Maritime Sicherheitskonferenz. Diese Entwicklung muss gestoppt werden.

Auf der Fischerbastion wehen heute Fahnen und Transparente der Friedensbewegung. Sie zeigen, was die Hanse Sail eigentlich sein sollte: ein friedliches Seglerfest. Wie gefällt Ihnen diese Bastion? Wollen Sie sich zusammen mit uns für eine friedliche Hanse Sail und für eine gerechte Welt einsetzen? Dann schließen Sie sich uns an!