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Offener Brief: Förderung des Theaters Mechaje

An die Präsidentin des Landtags des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Frau Sylvia Bretschneider; den Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Herrn Mathias Brodkorb; den Präsidenten der Bürgerschaft der Hansestadt Rostock, Herrn Dr. Wolfgang Nitzsche; den Kulturausschuss der Bürgerschaft der Hansestadt Rostock ; das Kulturamt der Hansestadt Rostock; den Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock, Herrn Roland Methling

Förderung des Theaters Mechaje

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Rostocker Friedensbündnis und die Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) protestieren gegen die Pläne, dem Jüdischen Theater Mechaje die Fördermittel zu entziehen.

Wir appellieren an das Verständnis der Verantwortlichen für die politische Dimension dieses Vorgangs. Jenseits aller buchhalterischen Überlegungen muss sich die Förderung dieses Theaters davon leiten lassen, dass es sich hier um ein jüdisches Theater handelt: einen Kristallisationspunkt jüdischen Lebens, das erst seit historisch kurzer Zeit in Rostock wieder eine Heimstatt gefunden hat. Dem Theater Mechaje kommt aber auch die Rolle eines kulturellen Zentrums für die russischsprachige Bevölkerung der Stadt zu. Die breite Öffentlichkeit wird durch das Theater über jüdisches Leben und jüdische Kunst informiert. Kunst und Künstler sind oft Thema der Stücke des Theaters. Dazu kommen Stücke wie „Splitter der Kristallnacht“ über Ereignisse des Holocaust und gleichzeitig Zeiten in der deutschen Geschichte, an die immer wieder erinnert werden muss. Damit bereichert das Theater das kulturelle Leben der Stadt nicht nur, es trifft auch Aussagen von einer Authentizität, die anders nicht erreichbar ist.

Hinzu kommt, dass das Theater Mechaje das erste jüdische Theater in den neuen Bundesländern war und das letzte verbliebene vollgültige jüdische Theater in Deutschland ist. Die Stadt und das Land werden nicht wollen, dass dieses hohe Gut verlorengeht. Wir machen auch darauf aufmerksam, dass rechtsradikale Tendenzen in unserer Region derzeit wieder zunehmen. Die Schließung des letzten jüdischen Theaters wäre Wasser auf die Mühlen von NPD, Kameradschaften und Antisemiten jeglicher Couleur.

Anstatt finanzpolitische Schuldzuweisungen zu treffen, sollten Land und Stadt darüber beraten, wie sie dem Theater Mechaje helfen können: beispielsweise durch unkomplizierte Vermittlung attraktiver Spielorte, durch technische Unterstützung bei der Werbung, durch sprachliche Assistenz für mehr deutschsprachige Auftritte und letztlich auch durch Bereitstellung buchhalterischer Kompetenz.

Das Rostocker jüdische Theater muss leben!

Rostocker Friedensbündnis 

Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)