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Gastbeitrag:Truppenbesuche in Stadien und dafür Staatsknete - Kaschierter Werbefeldzug der Bundeswehr für frisches Kanonenfutter

Bundeswehr sponsert Verbandsligisten Rostocker FC und das sorgt für Unmut im Verein

120jähriges Vereins-Jubiläum 2015 beim ältesten und Traditionsverein in Mecklenburg: Am 20.06.1895 gründeten die vier Gymnasiasten Michael Beyer, Paul Buchholtz, Wilhelm Metzenthin und Werner Ahrens den "Rostocker Fußball-Club (RFC)". Im Juni 2015 wird der Rostocker FC also 120 Jahre alt und ausgerechnet im Vereins-Jubiläumsjahr sorgt das Bundeswehrsponsoring für mächtig Zoff, Frust und Unruhe und löste Protest aus. Ist mein Verein noch zu retten? Sport frei oder still gestanden? Verkauft der Rostocker FC seine Fußballseele und wird zur Fußballkompanie?

Im letzten Jahr ging es recht bunt zu beim Rostocker FC: Einerseits das gesellschaftliche Engagement gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie und der Auftritt von „Storch Heinar“, andererseits das Premium-Sponsoring mit der BW. Wenn den aktuellen Versuchen nichts entgegengesetzt wird, wird es schwer werden, das Militär wieder aus den Stadien zu verdrängen. Dort hat es aber nichts zu suchen – genauso wenig wie an Schulen.

Mit dem Allheilmittel Geld wird die Zwangsläufigkeit oder Notwendigkeit des Sponsorings beim Rostocker FC von Verantwortlichen begründet. Für den schnöden Mammon von 5.500 Euro wird die Fußballseele des RFC verkauft und die leidet jetzt. Die Pläne der Verantwortlichen beim RFC stoßen auf Widerstand und nicht alle teilen die Argumentation und folgen ihr.

Trotz des großen Wirbels und Widerstands verstärkte die BW seit Juli 2014 beim RFC ihr Sponsoring.
Der Werbeetat der Bundeswehr ist von 1998 bis 2015 von 9 auf 35,3 Millionen Euro gestiegen.

Über die Werbepraxis der BW findet bislang eine unzureichende  Debatte statt. Ist regulär gekaufte Werbezeit im Sport, wo Kinder und Jugendliche sind, verantwortungsvoll? Sportvereine bieten der BW eine Plattform, mit ihrem Logo bei sich zu werben. 2013 waren es 44 und 2014 sind es 27 Kooperationen mit Sportvereinen.

Finanzielle Unterstützung erhalten die Vereine vor allem für Bandenwerbung, Bodenwerbung, Werbung auf der Sportausrüstung, Werbeanzeigen auf der Homepage, Printwerbung und Videospots sowie Info-Veranstaltungen, wo das Bundeswehrlogo mit „Eisernem Kreuz“ in verschiedenen Farben als ganz normale Arbeitgebermarke mit Slogans wie "Wir. Dienen. Deutschland.“ und „Bundeswehr - Karriere mit Zukunft“ wirbt.

(Aus „Wikipedia“: „Hoheitszeichen der Bundeswehr und Verwendung Schwarzes Kreuz (Symbol) - Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luft- und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als „Logo" der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr. Heute fungiert es in den Farben Blau und Silber als Symbol für die neue Bundeswehr. Diese Form ersetzt jedoch nicht das traditionelle schwarze Hoheitszeichen.)“

Es ist kein vorübergehender, sondern ein langfristiger Großeinsatz und es wird mit Steuergeldern ziemlich lax umgegangen.

Alles begann 1895. Eine Handvoll Jahre vor der Jahrhundertwende wurde der Rostocker FC gegründet. In der Folgezeit war der Werdegang des Vereins durch viele Umbenennungen und Fusionen geprägt. Auch die Entwicklung des Vereins war den Wirkungen des Zeitgeistes unterworfen und konnte sich den Wechselwirkungen der Geschichte nicht entziehen. Als die Mauer fiel, stand die TSG Bau Rostock auf dem 48. Platz in der nunmehr ewigen DDR-Liga-Tabelle. Die TSG mit ihren zwölf Sektionen fiel auseinander, aus der Fußballabteilung wurde der „Rostocker Fußball-Club von 1895 e.V.“. Eine Vereinshymne war bald gefunden: „Ha Ho He, Rostocker FC, das ist Fußball an der See“.

In den letzten Jahren hat sich der RFC mit seinen knapp 615 Mitgliedern in der Verbandsliga etabliert. Auf den Trikots der Jugendabteilung werben die linken Bands Dritte Wahl und Feine Sahne Fischfilet. Eigentlich verkörpern der Verein, seine Sportler, Mitglieder und Fans das, wofür der RFC steht: Weltoffenheit, Toleranz, Respekt und Fair Play – Werte, die auf und neben dem Spielfeld Bestand haben, aber nicht mit der BW.

Obwohl es dem Verein bekannt ist, dass sich in der Anhängerschaft Wehrdienstverweigerer aus DDR- und BRD-Zeiten befinden, die sich vor dem Bundeswehrdeal aktiv im Verein engagiert haben, wurde die BW an Bord geholt.            

Verblüffender Weise dürfen sich „Fans und Fördermitglieder, die gegen den neuen Partner sind“, von Vereinsboss Greese verstanden fühlen: „Zum einen haben wir viele Wehrdienstverweigerer aus der DDR und BRD in unseren Anhängerreihen, die aus moralischen Motiven nichts mit dem Waffendienst zu tun haben möchten. Zum anderen besteht die Furcht bei einigen Fans, dass der RFC dadurch das verliert, was er sich langfristig aufgebaut hat.“

Man bedenkt die Fan-Szene mit Bespaßungsaktionen wie einem Videodreh für ein eigenes Fanvideo beim RFC, der da die Hauptrolle spielt im Musikvideo zu "Fußballgott" vom Hip-Hop-Trio Fettes Brot, das offenbar seine Begeisterung für die Bundeswehr entdeckt hat. Auf dem Volksfest anlässlich des 825. Hamburger Hafengeburtstages sorgte die Band persönlich für Aufmunterung der „Kameraden im Einsatz“.

Nach Fan-Meinung muss Sponsoring sein im Sport 2014, denn das Geld ist rar in M-V und so freut sich die RFC über jeden Sponsor, aber die Bundeswehr ist kein Sponsor wie jeder andere. Dort werden Soldaten ausgebildet, um bei möglichen Konflikten tödliche Waffen einzusetzen. Im Verein lernen Menschen einen fairen Umgang miteinander. Krieg ist niemals fair. In den Augen  einiger Anhänger passt deshalb dieser Sponsor nicht zum RFC.

Als Unbekannte schließlich in der Nacht zum 27. April, an dem der RFC sein Verbandsliga-Heimspiel 1:2 gegen den Grimmener SV verlieren sollte, zweimal „Scheiß Bundeswehr“ und einmal „Bundeswehr tötet“ an Wände auf dem Vereinsgelände sprühten, waren das für Vereinsboss Greese Straftaten „extremistischer Art und Weise“.

Wenn die Vereinsführung den Dialog gleich zum Anfang des Bundeswehrsponsorings gesucht und  geführt hätte und nicht mit Ausreden, so die Aussage  des Verein auf Facebook, dass die Trainings- und Erwärmungsshirts mit Bundeswehrwerbung noch vom alten Trainer stammen. Aber erst nach dem Protest mit einer Alibiveranstaltung reagierte man. Der Meinungsaustausch mit den Fans hat nicht stattgefunden. Denn beim RFC wird anscheinend das Duckmäusertum gepflegt.

Der Fußballverein ist auch von seiner Anhängerschaft geprägt, die sich aktiv in die Gestaltung und Entwicklung des Vereinsleben mit Ideen, Aktionen, Leidenschaft und Engagement einbringen, und das macht die Lebendigkeit und die Besonderheit des Rostocker FC aus und dort gibt es einige Querdenker, die über gesellschaftliche Grenzen hinausdenken. Schwerer wiegt jedoch, dass Vieles, was diesen Verein ausmacht, auf der Strecke bleibt, eine zunehmende Entpolitisierung des Fanblocks erfolgt und der Verein zu einem x-beliebigen Verein ohne kritische Fans wird, dafür mit Mitgliedern, die nur in Ruhe Fußball schauen wollen.

Wie kommt das Bundeswehrengagement insgesamt im Klub an? Gibt es neben Widerstand auch Zuneigung? Momentan bilden sich zwei Lager beim RFC. Zum einen die Sportler und Trainer, die halt absolut für die Investitionen sind und der BW aufgeschlossen gegenüberstehen. Jedoch gibt es einige Fans und Fördermitglieder, die gegen den neuen Partner sind. Dies hat mehrere Gründe.

Wie sehen denn die Spieler und Trainer dieses Engagement und dieses klare Bekenntnis und eine gewisse linksorientierte Ausrichtung? Den Spielern ist der Verein zu links und zu politisch. Sie wollen sich nur auf den Fußball konzentrieren und interessieren sich zu weiten Teilen nicht für Politik. Allerdings drücken sie auch immer wieder aus, dass sie die Präventivarbeit des Klubs und die Hilfe für die Asylkinder sehr gut finden. Da ist ja ein kleiner Widerspruch. Sie denken, es sei selbstverständlich, diese Werte zu vertreten. Aber nichts ist selbstverständlich.

Profitiert der RFC denn von seinem Image und seiner Attitüde – oder drohen sogar negative Folgen? Der Verein meint vielleicht: „Ich glaube, viele wissen gar nicht, wie sehr wir davon profitieren. Alleine das finanzielle Engagement von den Bands Dritte Wahl und Feine Sahne Fischfilet hat mehrere tausend Euro in unsere Kassen gespült. Nicht nur, weil sie jeweils 2000 Euro für die Trikots und Trainingsanzüge gespendet haben, sondern auch über die Trikotverkäufe wurden bestimmt 1500 Euro generiert. Zudem kommen bestimmt 60, 70 Zuschauer nur aufgrund unserer ganz eigenen Kultur. Anhänger, die sich auch politisch mit dem Klub identifizieren können. Die trinken ihr Bier und essen ihre zwei Würste. Das ist auch Geld, das der Verein einnimmt.“

Seit es öffentlich bekannt ist, dass die BW beim RFC ist, hat die Band „Feine Sahne Fischfilet“ im Jahr 2014 das Engagement eingestellt. Dort heißt es: „Wir finden es schade, da sich der Verein gegen Rassismus, Homophobie und Neonazis engagiert und wir hinter diesem Engagement standen. Aber unser Rückzugsgrund ist ein Klubpartner ganz anderen Kalibers.“ Die Musiker zieren mit einem Schriftzug zwar weiterhin die Trikots der A-Junioren, gaben aber bekannt, dass sie „als Band keine Lust darauf haben, ein Teil der Imagepolitik der Bundeswehr zu werden. Wir werden nicht noch mal Trikotkollektionen finanzieren.“ Die Punkband Dritte Wahl im Mai 2014: „Als wir beim RFC eingestiegen sind, gab es den Deal mit der Bundeswehr noch nicht“, erklärte Gitarrist und Sänger Gunnar Schröder auf Anfrage. „Sollte das Sponsoring der BW länger bestehen, werden wir unser Engagement beim RFC nicht verlängern.“ Die Punkband Dritte Wahl bleibe Partner des Fußball-Verbandsligisten, beruhigte Ende August 2014 Vereinspräsident Nils Greese die aufgeregten Gemüter. Daher laufen die B-Jugendlichen des Vereins weiter mit dem Brustsponsor „Dritte Wahl“, der bekanntesten Punk-Band der Hansestadt, auf. „Ich habe mit dem Sänger der Band gesprochen und ihm die Situation erklärt. An diesem Engagement ändert sich nichts“, sagt Nils Greese.

Beim Heimspiel am 09.08.14 des RFC kam es zu Protest von jungen Fans mit einem Transparent gegen das Bundeswehrsponsoring nach Spielschluss, als die Spieler abklatschen wollten und der Cheftrainer die Spieler forsch zurückpfiff.

Die Bundeswehr hofft, auf diese Weise die Aufmerksamkeit jener Altersgruppe zu erreichen, die sich in der Phase der Berufsorientierung befindet, wobei die Altersspanne zwischen 15 und 30 Jahren ist. 240.000 Euro gibt das deutsche Militär dafür aus und versorgt den Nachwuchs bei Hallenturnieren in der ganzen Republik mit Infomaterial zur Truppe. Die im Kriegsgebiet drohenden Gefahren wie Verwundung, Tod, Traumatisierung oder das Töten von Menschen werden in der Kampagne nicht angesprochen.

Die Bundeswehr will die hohe Popularität des Sports für ihre Ziele und Zwecke ausnutzen. Gezielt sich als  ganz normale Arbeitgeberin und Werberin präsentieren und das ist sogar absurd. Im Sport  geht es um gesunde Rivalität, friedliches Kräftemessen mit sportlichen Kampfmitteln und um Fairness sowie den Gegner als Partner zu achten (Fair-Play-Gedanke).

Seit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht ist die Bundeswehr massiver und aggressiver bemüht, sich als normale Arbeitgeberin zu präsentieren. Sie verstärkt die Bemühungen in der Zielgruppe der Heranwachsenden und Jugendlichen, sie als Soldaten und Soldatinnen zu werben. Im Januar 2010 räumte die Bundesregierung ein, dass die Bundeswehr mit 27 Sportvereinen, und mittlerweile sind es immer mehr Vereine geworden, Kooperationen zur Personalwerbung abgeschlossen habe, die von Testspielen bis zu Bandenwerbung reiche. Im Jahre 2014 betrug der Etat dafür 349.000 Euro, deutlich weniger als im Jahr 2013 (453.000 Euro), erheblich mehr aber als 2012 (253.000 Euro). Ob nun im Profisport oder im Amateursport, spielt für die BW keine Rolle, es soll nach „betriebswirtschaftlichen Parametern“ ausgewählt werden, so die Bundeswehr, aber tatsächlich initiiert eher ein Bundeswehrangehöriger die Kooperation vor Ort.

Es wird kein kurzes Intermezzo beim RFC, denn es geht mehrere Jahre, oder so lange, wie der Trainer beim RFC ist. Die Bundeswehr zahlt dem RFC 5.500 Euro für die Saison 2014/15 und hat das Recht auf Logopräsenz auf dem Vereinsbus, auf Shirts, Anzügen, Sporttaschen der 1. Herrenmannschaft sowie auf Trainings- und Erwärmungsshirts beider Frauenmannschaften. Das Logo erscheint auf der Vereinshomepage mit Verlinkung, auf Spielankündigungen und Dauerkarten und die Spieler und Spielerinnen und Offizielle stehen dem BW-Partner für repräsentative Zwecke zur Verfügung. Das ist die Art und Weise, wie sich ein Premium-Sponsor beim RFC präsentieren kann. Die Möglichkeit, mindestens 4 m Bandenpräsenz im zentralen Bereich zu platzieren. Weiterhin eine große Logopräsenz auf der Werbetafel „Die Mannschaft hinter der Mannschaft" sowie die Darstellung des Logos auf der Homepage und im Programmheft. Dazu kommt noch die mögliche Bedruckung der Reprä-Kleidung und der Trainingsbekleidung mit dem Logo des Premiumsponsors. Wie die Partnerschaft dann exakt gestaltet wird und welche Schwerpunkte gesetzt werden, definiert jedes Unternehmen anhand der eigenen Strategie und Zielgruppe. Die Vereinsoffiziellen stehen dem BW-Partner gerne zu Verfügung, wie in diesem Jahr 2014 auf der Gorch Fock bei der Kieler Woche, die ein Segelschiff der Deutschen Marine ist.

Der „Fan-Präsident“ Nils Greese unterstreicht das Positive aus seiner Sicht: Durch die Bundeswehr habe der Rostocker FC Kleinbusse kaufen können. „Jetzt müssen Im Kinder- und Jugendbereich nicht immer die Eltern fahren.“ Die Bundeswehr wirbt auf einem dieser Kleinbusse und in dem fahren dann Kinder und Jugendliche mit.

So verkaufen es die Vereinsoffiziellen auf der Homepage mit modern klingendem Marketing:

„30.07.2014
MOBILITÄTSOFFENSIVE TEIL 1
Seit der vergangenen Woche ist der Rostocker FC stolzer Besitzer eines Kleinbusses VIVARO der Marke OPEL. Bereits ausgiebig getestet wurde der Wagen am letzten Wochenende,
als sich die Verbandsligamannschaft des Rostocker FC aufmachte, um sich im Flensburger Trainingslager auf die kommende Saison vorzubereiten. Somit war der erste der drei Kleinbusse im Einsatz und das Feedback war überaus positiv. Geordert wurde das Auto beim RFC Sponsoringpartner, OPEL Krüll, in Rostock Dierkow und die Leasingkosten übernimmt die Bundeswehr als ein weiterer Sponsorpartner des RFC.

16.10.2014
OFFIZIELLE EINWEIHUNG DER WERBEFLÄCHE
In der vergangenen Woche erfolgte die offizielle Übergabe der Werbefläche der Bundeswehr auf einem Kleinbus des Rostocker FC.
Dazu trafen sich Leutnant Carina Luthmann aus dem Karriereberatungsbüro der Bundeswehr in Rostock und Herr Christian Blanck, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Rostocker FC im Sportpark am Damerower Weg.
Seit dem Sommer 2014 verstärkte die Bundeswehr ihr Sponsoring und ist einer der Werbepartner des Rostocker FC mit Slogans wie „Bundeswehr – Karriere“ und „Wir. Dienen. Deutschland.““

Tischlermeister Greese ist bekennender St.-Pauli-Anhänger und gehörte lange zur linksalternativen Fanszene des RFC. Vom Stadionsprecher wurde er zum Kleinsponsor des Vereins, seit 2008 zum Vorstandsmitglied und schließlich 2012 zum Vorstandsvorsitzenden, er ist für Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoren- und Fanbetreuung zuständig und holte sich die beiden Marineoffiziere in den Verein. Seit dem 09.05.2013 ist Jan Kistenmacher Trainer und seit dem 1. Februar 2014 ist nun Andreas Murken neuer Teammanager und Offizier bei der Deutschen Marine und zurzeit im Bereich der Logistik im 7. Schnellbootgeschwader tätig, beide ehrenamtlich beim RFC. Auch einige Fußballspieler sind bei der Bundeswehr angestellt.

Von 2006 bis September 2010 war J. Kistenmacher in Neuruppin als Wehrdienstberatungsoffizier und Büroleiter für Öffentlichkeitsarbeit und Personalgewinnung der Streitkräfte für die Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel und Uckermark verantwortlich. Auch die alten Vereine von Jan Kistenmacher, der MSV 1919 Neuruppin und der Pritzwalker FHV 03, gerieten in den Kreis der erlesenen Kooperationspartner der Bundeswehr. Greese erklärt zum Zustandekommen der Kooperation mit dem Rostocker FC: „Unser Cheftrainer Jan Kistenmacher hat eine höhere Position bei der Marine. Dadurch ist es zu dem Engagement gekommen.“ Und Marineoffizier Kistenmacher selbst erwidert auf die Nachfrage, wie er das denn bewerkstelligt hätte, forsch: „Wissen Sie, was ich beruflich mache? Dann ist doch klar, wie ich das geschafft habe.“ Andere Vereine hätten ihn bereits gebeten, seine Kontakte für sie spielen zu lassen, sagte er der TAZ vom 27.09.2014 und 28.09.14.

Das Bundeswehrsponsoring kam eher schleichend und leise beim RFC daher, aber der Kontakt besteht schon seit dem 17.12.2011, denn da veranstaltete der Rostocker FC einen Sponsoren-Cup für die E- und D-Junioren. Austragungsort des 1. Copy & Paste Cup war die Sporthalle der Bundeswehrkaserne Hohe Düne. Als dann 2012 ein Videospot auf der Homepage auftauchte zum 20. Rostocker Pils Cup 2012 mit Spielern, die mit einem Trainingsleibchen mit dem Aufdruck „Bundeswehr - Karriere mit Zukunft“ zu sehen waren, und als dann schließlich noch Spieler bei Spielen mit diesem Trainingsleibchen und Sporttaschen mit dem Aufdruck „Wir. Dienen. Deutschland.“ herumliefen, stieß dieser Werbeauftritt auf wenig Gegenliebe in Teilen der Anhängerschaft.

Mit dem Sponsoring kam Ungemach beim RFC auf, denn ein derartiges Engagement der Bundeswehr spaltete den Verein und löste Protest aus. Das Staatsunternehmen Bundeswehr wird beim RFC nicht als Partner wahrgenommen, sondern eher als Besatzungsmacht von einigen Anhängern, denn einige Fördermitglieder, Mitglieder und Fans möchten nicht Teil der Imagepolitik der BW werden. „Im Verein gibt es unterschiedliche Meinungen zum Thema Bundeswehr“, erklärt Nils Greese. „Im Vorstand haben wir beschlossen, dass die Bundeswehr unser Werbepartner bleibt – von diesem Weg lassen wir uns nicht abbringen.“ Von den Befürwortern dieses Sponsorings wird die Bundeswehr als ganzer normaler  Sponsor wie jeder andere gesehen, obwohl sie ihren Auftritt zur Anwerbung von jungen Menschen für extrem riskante Auslandseinsätze nutzt, die mit Territorialverteidigung nichts zu tun haben.

Zum dritten Mal gewann der Rostocker FC am 3.01.15 die Rostocker Stadtmeisterschaft und spielte bei diesem Turnier mit Bundeswehrwerbung auf den Trikots mit dem Slogan der Bundeswehr „Wir. Dienen. Deutschland.“ in der Sporthalle im Bertha-von-Suttner-Ring. Bertha von Suttner wurde 1905 als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sie veröffentlichte den pazifistischen Roman „Die Waffen nieder!“. Sie beschrieb die Schrecken des Krieges aus der Sicht einer Ehefrau und traf damit den Nerv der Gesellschaft, die zu dieser Zeit in heftigsten Diskussionen über den Militarismus und den Krieg begriffen war.

Die Mehrheit sagt: Sport geht nur im Frieden!

Einige Zahlen:

Neben Deutschland werben weltweit lediglich 25 Länder unter 18-Jährige für den Armeedienst.

61 Prozent der Bundesbürger lehnen einen Ausbau der Bundeswehr-Auslandseinsätze in internationalen Krisengebieten ab. Nur jeder Dritte (30 Prozent) befürwortet das Vorhaben von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Rund 2.700 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr beteiligen sich derzeit an Einsätzen im Ausland.

Seit Gründung der Bundeswehr verloren 2 990 zivile und militärische Bundeswehrangehörige infolge der Ausübung ihrer Dienstpflichten ihr Leben.

Bei Auslandseinsätzen kamen bis Juni 2013 insgesamt 107 deutsche Soldatinnen und Soldaten ums Leben.

Selbsttötungen: 3.417 Suizide seit 1956 in der Bundeswehr. Von diesen Suiziden fanden 18 während der Auslandseinsätze zwischen 1998 und 2008 statt. Die Zahlen geben leider keinen Aufschluss, ob es Suizide z.B. von Reservisten oder ehemaligen Soldaten nach Auslandseinsätzen gibt, die z.B. nach einem Einsatz an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) oder Depression gelitten haben. Hier könnte es auch erst nach Monaten oder Jahren zu Suiziden kommen. Die Zahl traumatisierter Bundeswehrsoldaten ist im vergangenen Jahr um 26 Prozent gestiegen. Von den 922 erkrankten Soldaten seien 759 in Afghanistan im Einsatz gewesen, sagte eine Bundeswehrsprecherin. Die Zahl der Soldaten, die mit sogenannten posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) aus dem Ausland zurückkehren, hat seit 2004 um das Neunfache zugenommen. Damals wurden 100 erkrankte Soldaten erfasst – im vergangenen Jahr waren es 729.

Kooperationspartner der Bundeswehr 2014/15 sind unter anderen: Hannover 96 mit 65.500 Euro, FC Carl Zeiss Jena mit 40.000 Euro, Holstein Kiel 34.500 Euro, Flensburg Handewitt 34.500 Euro, Reinick. Füchse Berlin 27.000 Euro, Karlsruher SC 23.200, VfR Aalen 19.500, Bad Schwartau 17.000 Euro, 1. FC Union Berlin 15.000 Euro, Berliner Fußball-Verband 6.000 Euro, Lörrach-Brombach 11.300 Euro, Köpenicker Sportclub e.V. 8.800 Euro, Chemnitzer FC 10.000 Euro, HSG Varel-Friesland 5.400, SV Grün-Weiß Schwerin 4.000, SV Würzburg 05 3.400, Motorsportclub  Flöha 1.200, TSV Rudelzhausen 500 Euro, VFR Schneckenlohe 450 Euro, TSV Wolkersdorf 150 Euro.

Aus der Presse:

„01.01.2015 - Feine Sahne Fischfilet im Magazin: Dann gab es wegen der Bundeswehr als Sponsor einige Irritationen.
0381-Magazin: Neben Hansa liegt Euch ja auch der RFC am Herzen. Ihr seid hier als Sponsor für die Jugendabteilung an den Start gegangen, habt Trikots und Trainingsanzüge bezahlt. Dann gab es wegen der Bundeswehr als Sponsor einige Irritationen. Was ist passiert?
FSF: Wir finden es einfach nicht gut, dass die Bundeswehr, um ihr Image zu verbessern, als Sponsor auftritt und einen alternativen Verein dafür als Plattform nutzt. Das heißt jetzt nicht, dass wir den RFC als Verein und das, was er an guter Arbeit leistet, nicht mehr gut finden, aber wir wollen nicht zusammen mit der Bundeswehr als Sponsor zusammen stehen. Die Entscheidung, da dann auszusteigen, ist in der Band auch ziemlich schnell und einhellig gefallen. Wir wollen das natürlich nicht zu Lasten der Kids austragen und lassen das weiterlaufen, bis sich ein neuer Sponsor findet. Und das heißt ja nicht, dass wir nicht mal wieder was machen, dann vielleicht in Jarmen oder Demmin.“

(Autor: Dirk **)

Im Anhang unser Flyer:

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