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Offizielle Jahresanfangsrundmail des Rostocker Friedensbündnisses

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde - ewig neues RFB: Unsere Jahresendrundmail kommt diesmal als Jahresanfangsrundmail daher. Wir bedanken uns herzlich für alle Glückwünsche, die uns zu den Feiertagen erreicht haben. Ein Kriegsjahr ist zu Ende gegangen, ein weiteres beginnt. Was haben wir 2013 gegen den Krieg getan?

Unser Jahr begann mit einem Offenen Brief gegen die Stationierung der Patriot-Raketen in der Türkei und seiner Verteilung in Sanitz, unweit eines ihrer Standorte. Da sich die Einheiten mit ihren dem Bürgerkriegsland Syrien zugewandten Raketenwerfern auf ein weiteres Jahr in der Türkei einzurichten scheinen, bleibt das Thema eine Aufgabe für uns. Auf unserer diesjährigen Kundgebung zum Weltfriedenstag, als eine Invasion in Syrien unmittelbar bevorstand, haben wir es bereits wieder aufgegriffen.
Wir konnten auch beobachten, dass auf unsere Kritik zunehmend sensibel reagiert wird. Beim Ostermarsch, unserer anderen festen Veranstaltung im Jahr, bekamen wir von einem potenziellen Partner diesmal eine glatte Absage: Ein lokaler Ortsbeirat, den wir zu einer gemeinsamen Kundgebung am Gedenkstein für das Kriegsgefangenenlager auf Hohe Düne einladen wollten, erklärte, er könne die Forderung „Gegen Rostock als Militärstandort“ aus unserem diesjährigen Motto nicht mittragen. Welche Sicht auf diesen Ort er bevorzugte, konnte man bei der Enthüllung des Steins am 1. September sehen: Die Inschrift nennt als einzige Gefangene des Lagers französische Geistliche; genauer gesagt, Militärgeistliche, die die Truppe begleitet hatten, aber das erfährt man erst durch weitere Recherchen. Ein solches Gedenken an Opfer der faschistischen Rüstungs- und Vernichtungsmaschinerie ist deutlich selektiv, scheint aber leider viel zu tun zu haben mit dem, was sich im politischen Rostock an unkritischen Haltungen immer weiter breitmacht. Die offiziellen Rostocker Jubeltermine 165 Jahre Deutsche Marine, 100 Jahre Militärstützpunkt Hohe Düne und 20 Jahre Flughafen Laage (bekanntlich das zivile Anhängsel des Eurofighter-Fliegerhorstes) feierten wir dementsprechend auf unsere Art: mit schwarzen Luftballons und Probeliegen in einem Sarg. Auf der Hanse Sail verteilten wir unter der Nase der Kriegsschiffe „Jobangebote“ (Bananenpflücker, Tankwart, Handyverkäufer) und nahmen damit auf die aktuelle Imagekampagne der Marine Bezug – ebenso wie die Hanse Sail will sie dem Kriegsführungsinstrument Marine ein ziviles Mäntelchen umhängen.
Auch sonst haben wir es 2013 nicht als unsere Aufgabe angesehen, uns beliebt zu machen: Wir forderten die Einrichtung eines eigenen NSU-Untersuchungsausschusses im Schweriner Landtag und kritisierten die Universität Rostock dafür, dass sie trotz bestehender Zivilklausel mit dem Militär zusammenarbeitet. Im November zogen wir dann noch mit einem Transparent „Bundeswehr abschaffen!“ vor einer Karrieremesse auf, auf der sich auch die Bundeswehr präsentierte. Außerdem waren wir bei verschiedenen Veranstaltungen dabei: Auf der Maikundgebung des DGB sammelten wir Unterschriften unter einen Aufruf der Münchner ver.di-Frauenfriedenskonferenz gegen eine weitere Zusammenarbeit von DGB und Bundeswehr. Beim Friedensfest der Partei Die Linke in Graal-Müritz gelang uns diesmal ein besonders hübscher Infostand: Die Besucher konnten an einem mehrteiligen Quiz zum Thema Frieden teilnehmen und mit richtigen Antworten Gedichttexte, Karten, Anstecker und Aufkleber gewinnen. Die Preise teilte ein Glücksrad zu. Daneben befragten wir die Aussteller (Parteien und Vereine, aber auch Zeitungsredaktionen, Verlage und kleine Gewerbetreibende), was sie mit dem Begriff Frieden verbänden. Hier einige ihrer Antworten; ihre Veröffentlichung haben wir uns für heute aufgehoben: „Dosenwerfen für Kinder statt Schießen für Konzerne“, „Geschlechtergerechtigkeit“, „Beispiel Lateinamerika: die einzige atomwaffenfreie Region in der Welt“, „es gibt keinen großen Frieden ohne den kleinen“, „wir haben in Deutschland die Erfahrung machen müssen, dass Krieg und Faschismus eine Einheit bildeten (und bilden)“, „Ursprünglichkeit“, „glückliche Kinder“, „Frieden, Sonne, Sozialismus“. Angesichts dieser Vielfalt von Assoziationen möchte man im Hinblick auf weitere Partnerschaften sagen: Da geht noch eine ganze Menge!
Über das Filmjahr, dem an dieser Stelle ja auch immer unsere Aufmerksamkeit gilt, ist nicht viel zu sagen: Ein Film wollte uns glauben lassen, dass Kriege heutzutage nur noch gegen Zombies vorstellbar sind („World War Z“), ein anderer, dass der Mord an Osama bin Laden lediglich auf die persönliche Marotte einer Agentin zurückgeht („Zero Dark Thirty“) – beides verniedlichend und verlogen. Ansehbar ist „Captain Phillips“; diese Geschichte von der Kaperung eines US-Frachters durch somalische Piraten und die Entführung seines Kapitäns verleugnet zwar nie, auf wessen Seite sie steht, legt aber ausführlich Hintergründe dar und verzichtet konsequent auf die Konstruktion von Helden. Außerdem ist sie verdammt gut gespielt. Wann ein deutscher Film so etwas einmal schaffen wird, ist unbekannt.
Und schließlich haben wir diesmal sogar einen Werbeblock in unserer Rundmail, allerdings natürlich für eine gute Sache: Allen, die für 2014 einen Kalender haben möchten, in dem man nicht nur die Vielzahl seiner Termine notieren, sondern aus dem man auch etwas Interessantes erfahren kann, dem empfehlen wir den antimilitaristischen Kalender „Neues von der Heimatfront. Krieg beginnt hier – Widerstand auch“. Dort begleiten aktuelle und historische Pressemeldungen, Zahlen und Fakten, Kommentare und Gedichte zu einem breiten Spektrum linker Themen den Leser durch das Jahr. Zu bestellen (Preis: 10 Euro) bei paulilula@gmx.de .
Die Arbeit unserer Mitglieder in der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) hat sich schon in den vergangenen Jahren intensiviert. Das wird sich 2014 fortsetzen. Was wir hier und dort tun können, ist aber immer noch zu wenig. Wir brauchen die Unterstützung vieler. Das Gedenkjahr 2014 eignet sich zur Zusammenarbeit wie selten eines. Demnächst kommen wir mit Informationen und unseren Ideen für Aktionen auf Sie und Euch zu. Unser Schwerpunkt wird auf den revolutionären Umwälzungen im Gefolge des Ersten Weltkriegs liegen, die seinerzeit gerade auch unsere Region geprägt haben. Wir wissen, dass einige unserer Adressaten ebenfalls Aktionen planen. Lasst uns unsere Kräfte zusammentun, damit das Thema Erster Weltkrieg nicht der offiziellen Geschichtsdeutung überlassen bleibt! Und ganz nebenbei überlegen wir, wie wir mit dem propagandistischen Coup umgehen, dass das BRD-Kriegsministerium jetzt von einer Frau geleitet wird.   
Ihnen, Euch und uns ein aktives und erfolgreiches Jahr 2014!
Mit den besten Grüßen
Rostocker Friedensbündnis