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Unsere Botschaft an die Wiener Friedensbewegung zum Hiroshimatag 2011

Liebe Freundinnen und Freunde in Wien, wir grüßen Euch herzlich zum diesjährigen Hiroshimatag! Die Katastrophe von Hiroshima und Nagasaki, der im vorigen Jahr besonders gedacht wurde, hat mit den Ereignissen in Fukushima eine schreckliche Fortsetzung gefunden – noch dazu im 25. Jahr nach Tschernobyl.

Alle diese Katastrophen waren vorhersagbar. Sie hatten ihre Grundlage im unverantwortlichen Umgang mit einer Technologie, die nicht beherrschbar ist, aber Profitinteressen bedient. Diese Interessen werden im Krieg mit (Atom-)Waffengewalt durchgesetzt und prägen im so genannten Frieden Wirtschaft und Gesellschaft, heute weltweit.

In der Bundesrepublik Deutschland hat der Eindruck von Fukushima die Debatte um die Atomkraftwerke erneut angefacht. Nach bereits beschlossenem Atomausstieg waren unter der jetzigen Regierung die Laufzeiten der Atomkraftwerke noch einmal verlängert worden. Da die Kraftwerke abgeschrieben sind, kam das einer Lizenz zum Gelddrucken gleich. Nun fürchtete man Proteste und den Verlust von Wählerstimmen. Herausgekommen ist ein wackliger Kompromiss: ein Atomausstieg bis 2022. Auf dem Weg bis dahin wird es für die Stromkonzerne noch genügend Möglichkeiten geben, die Beschränkungen für ihre Gewinne, die ihnen formell durch Abgaben und Veranlassung zu Investitionen in erneuerbare Energien drohen, zu unterlaufen: mit dem Handel mit Reststrommengen, der Erschließung neuer Profitquellen in der alternativen Energiegewinnung und anderen ganz normalen kapitalistischen Mitteln.

Ein Problem ist damit auch noch lange nicht geklärt: Wo bleibt der Atommüll? Wenn es nach den Energiewerken Nord geht, bleibt zumindest ein Teil davon im sogenannten Zwischenlager Nord im ehemaligen Kernkraftwerk bei Lubmin - und zwar für immer. Man muss die oberirdische Halle dort gesehen haben, in die jetzt von Bundesseite kräftig investiert wurde. Der Anblick allein ist ausreichend, um zu verstehen, dass ein solches Endlager unserer ohnehin schon durch die zweithöchste Militärdichte in Deutschland charakterisierten Region als einer lebenswerten Welt den Rest geben würde.

Aber das ist nicht nur unser Problem. Das haben auch die Proteste gegen die Transporte von Atommüll aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe nach Lubmin im Dezember 2010 und im Februar 2011 gezeigt - in ganz Deutschland und gerade auch im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern, wo nicht viele sie so massiv erwartet hätten. Wir waren dabei und haben auch an zwei Etappen des Anti-Atom-Trecks, einer Fahrraddemonstration von der Landeshauptstadt Schwerin nach Lubmin, teilgenommen. Für uns ist es bei diesen Gelegenheiten wichtig, zu betonen, dass Atomkraft und Atomwaffen zwei Seiten einer Medaille sind. Außerdem ist ein großer Teil der Friedensbewegung aus Anti-Atom-Protesten entstanden; wir sind daher bei unseren Wurzeln, wenn wir zusammen mit Atomkraftgegnern demonstrieren.

Schließlich ist erst vor einigen Wochen bekannt geworden, dass wir Rostocker noch viel direkter betroffen sind als geahnt: Seit Jahren werden über unseren Hafen, auf regulären Passagierfähren, Brennstäbe und anderes radioaktive Material verschifft. Allein 40 Transporte aus einer schwedischen Atomfabrik für französische Nutzer sind für 2011 genehmigt. Die Anti-Atom-Bewegung hat darauf mit einem Camp im Stadtzentrum und einer Demonstration aufmerksam gemacht. Sie vertritt damit auch unser Anliegen. Wir werden den Kontakt zu ihr nicht abreißen lassen.

Euch in Wien wünschen wir einen erfolgreichen Tag und werden uns freuen, auch im Laufe des Jahres wieder von Euch zu hören!

Näheres zu den Aktivitäten der Wiener Friedensbewegung am 6. August: http://www.hiroshima.at/