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Politischer Donnerstag am 26.11.: Piraten jagen - Seemacht Deutschland beim Strategiespiel

Auf einem der wichtigsten Seehandelswege, vor der Küste Somalias, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Operationsgebiet der "Operation Enduring Freedom", tummeln sich zurzeit Kriegsschiffe aus mehreren Ländern. Die EU führt dort "Atalanta" durch, ihre erste gemeinsame maritime Militäroperation. Die Bundesrepublik Deutschland ist mit bis zu 1400 Soldaten dabei. Wenn die neuen Korvetten K-130, stationiert in Rostock-Hohe Düne, ihre Getriebeschäden repariert bekommen haben, sollen sie auch dort kreuzen. Angeblich sollen sie den deutschen Im- und Export über See vor Piraten schützen. Dass mit diesem Militäreinsatz die desolate Lage der angrenzenden Länder ausgenutzt wird, um in der Region die Überfischung und die illegale Müllentsorgung durch internationale Akteure zu sichern und für die eigene Wirtschaft und Politik strategische Positionen zu besetzen, wird seltener thematisiert.

 
Dieser besonders intensive maritime Aufmarsch hat auch innenpolitische Aspekte: Schon werden Rufe laut, Bundeswehrsoldaten auf Handelsschiffen mitfahren zu lassen, also Polizeiaufgaben auf sie zu übertragen. Beim G20-Gipfel in Pittsburgh dieses Jahr wurde der Einsatz einer LRAD-Schallkanone, eines der Instrumente unter anderem bei der Piratenabwehr, als so genannte nichttödliche Waffe gegen Demonstranten beobachtet.
 
Und: Auf das Konto der Bundeswehr geht seit dem 7. September 2009 bereits ein toter Einheimischer vor Somalia.
 
Es spricht Claudia Haydt, Religionswissenschaftlerin und Soziologin, von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. (http://www.imi-online.de, http://haydt.myblog.de).   
 
Politischer Donnerstag in Zusammenarbeit mit Soziale Bildung e.V. im Peter-Weiss-Haus am 26.11.09, 20.00 Uhr, VoKü ab 19.30 Uhr