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Rundmail: "7 Tage Luftangriffe auf den Gazastreifen" [3.1.2009]

Folgend dokumentieren wir unsere Rundmail vom 3.01.2009.

Gerne nehmen wir auch Sie in unseren Email-Verteiler auf. Schreiben Sie uns einfach eine kurze Email:
rostocker-friedensbuendnis@web.de

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde!

Am gestrigen siebten Tag der israelischen Angriffe auf den Gazastreifen ist die Zahl der infolge der Luftangriffe getöteten Bewohner auf 434 gestiegen. Über 2.200 Menschen wurden z.T. schwer verletzt. Von beiden Konfliktparteien unbestritten sind unter den Toten und Verletzten viele Zivilisten und Kinder. Das durch die Blockade und die ökonomische Situation gebeutelte Gesundheitssystem des Gazastreifens ist nicht in der Lage, die Verwundeten adäquat zu versorgen.

Am gestrigen Freitag wurden laut Angaben des israelischen Militärs auch 20 selbst gebaute so genannte >Kassam-Raketen< aus dem Gazastreifen auf Ziele in der westlichen Negevwüste abgefeuert. Es wurde ein Verwundeter gemeldet. Seit Beginn der Auseinandersetzungen wurden vier Bewohner Israels durch aus dem Gazastreifen abgeschossene Raketen getötet und über ein Dutzend verletzt.

Wir haben bereits zwei Tage nach Beginn der israelischen Luftangriffe mit der Weiterleitung einer Erklärung des Bundesausschusses Friedensratschlag die Forderung nach einer sofortigen Beendigung der israelischen Militäraktion unterstützt. Die Erklärung, welche i.Ü. auch ein Ende des Beschusses Israels aus dem Gazastreifen fordert, kann auf unserer Homepage nachgelesen werden.
Siehe: http://rostocker-friedensbuendnis.de/antimilitaristischer-blog/133

Der Gazastreifen ist mit 360 Quadratkilometern in etwa doppelt so groß wie Rostock, hat aber mit 1,5 Millionen Menschen 7,5 mal so viele Einwohner wie die Hansestadt. Die Region Gaza ist eines der dichtbesiedeltsten Gebiete weltweit. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt und über 80% leben unterhalb der Armutsgrenze. Eine Fluchtmöglichkeit besteht nicht, die Grenzen sind abgeriegelt.

Die Luftangriffe der israelischen Armee und eine laut Verlautbarungen der israelischen Regierung geplante Invasion mit Bodentruppen können unter diesen Umständen unmöglich zwischen Kombattanten und Zivilisten unterscheiden. Die notwendige Folge sind Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung.

Wir meinen in Übereinstimmung mit der Friedensbewegung in Israel: Der zur Begründung der Angriffe vorgetragene und verständliche Wunsch nach Sicherheit der Bewohner Israels vor Beschuss mit Raketen wird durch diese menschenrechtswidrige Kollektivbestrafung nicht gefördert, sondern weiter gefährdet.

Wir fordern als Teil der internationalen Friedensbewegung von der israelischen Regierung den sofortigen Stopp der Luftangriffe, die Unterlassung der angekündigten Bodenoffensive und die Aufhebung der Blockade und Abrieglung des Gazastreifens, um eine adäquate medizinische Versorgung der Verwundeten und eine Verbesserung der allgemeinen sozialen Lage zu ermöglichen.

Eine solche Deeskalation des Konfliktes würde nicht schlagartig die komplexen Probleme des Nahen Ostens lösen, aber eine Möglichkeit zu ihrer Lösung eröffnen, während die jetzigen Militäraktionen nur neues, zusätzliches Unrecht und Leid schaffen.

Als Teil der bundesdeutschen Friedensbewegung bekräftigen wir unsere Forderung an die Bundesregierung nach sofortigem Stopp der Ausfuhr von Rüstungsgütern in den Nahen Osten.
Siehe: http://www.rib-ev.de/?p=55

Seit der Veröffentlichung der Erklärung des Bundesausschusses erreichten uns Reaktionen mit z.T. polemischer Kritik an unser angeblich einseitigen Positionierung, aber auch Versicherungen der Zustimmung und Fragen nach Hintergrundinformationen. Wir werden die Zuschriften entsprechend unseren Möglichkeiten beantworten und sind ausdrücklich offen für jede Form der sachlichen Diskussion. Zudem werden wir in den kommenden Tagen weitere Erklärungen aus der internationalen Friedensbewegung und Links zu Hintergrundinformationen zum Nahostkonflikt auf unserer Homepage verlinken und damit dem Bedürfnis nach umfassenderen Informationen zu entsprechen versuchen. Im Zusammenhang mit dem Wunsch nach Information und Diskussion verweisen wir auch auf eine schon vor der aktuellen Eskalation von den Vereinen AWIRO und SoBi sowie der Gruppe >Axionsteifebrise< geplante Veranstaltungsreihe zum Thema Nahostkonflikt in Rostock: Zwischen dem 5. und 22. Januar 2009 finden sechs Veranstaltungen zu >Alltag und Aktivismus in Israel und Palästina< statt. Das vollständige Programm ist auf der Seite der Gruppe >axionsteifebrise< einsehbar.
Siehe: http://axionsteifebrise.blog.de/2008/12/14/nahostkonflikt-5218822

Im Anhang dieser Email dokumentieren wir einen von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) veröffentlichten Beitrag von Claudia Haydt. Der Diskussionsbeitrag ist bereits am 29. Dezember veröffentlicht wurden. Wir dokumentieren den Beitrag, weil er die Entwicklung in den letzten Wochen vor dem israelischen Angriff auf den Gazastreifen vor dem Hintergrund der innenpolitischen Lage in Israel vor den anstehenden Wahlen darstellt; bedenkenswerte Thesen, die auch von Kommentatoren der israelischen Tageszeitung Haaretz und der israelischen Friedensbewegung als Hintergrund des Eskalation diskutiert werden. (Für die Darstellung hier der Link: http://www.imi-online.de/2008.php3?id=1865 )

Die des Englischen mächtigen Leserinnen und Lesern dieser Rundmail wollen wir zudem auf drei sehr interessante Interviews mit Aktivistinnen und Aktivisten der Friedensbewegung in der Region Israel/Palästina hinweisen:

[1] Interview mit Haggai Matar
(Haggai Mattar ist israelischer Kriegsdienstverweigerer und Koordinator der israelischen Koalition gegen den Angriff auf Gaza.)
http://www.youtube.com/watch?v=HMZ35twfsf8

[2] Interview mit Jenny Linnel
(Jenny Linnel ist Freiwillige des >International Solidarity Movement< und hält sich zurzeit in Gaza auf. Das ISM organisiert gewaltfreie Aktionen gegen die israelische Besatzung internationaler Freiwilliger.)
http://www.youtube.com/watch?v=9g74j4HMMSg

[3] Interview mit Ewa Jasiewicz
(Ewa Jasiewicz ist Aktivistin des >Free-Gaza-Movement< und hält sich momentan in Gaza auf. Die gewaltfreie Initiative versucht die Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen.)
http://www.youtube.com/watch?v=muLlFdcK3EA

Abschließend der erneute Hinweis auf die Möglichkeit, mit Spenden die medizinische Versorgung der Menschen im Gaza-Streifen zu unterstützen. In der englischsprachigen Sektion der Webseite der >Ärzte für Menschenrechte – Israel< können Informationen zur alarmierenden medizinischen Situation im Gaza-Streifen und zu Angriffen der israelischen Armee auf medizinische Einrichtungen eingesehen werden, welche die Notwendigkeit solcher Nothilfen unterstreichen
Siehe: http://phr.org.il/phr/

Spenden können in der BRD über den mit der Friedensbewegung verbundenen Verein >medico international< getätigt werden. Informationen zu den Kooperationspartnern und von medico unterstützten Projekten in Palästina/Israel und die Kontodaten finden sich auf der Webseite des Vereins.
Siehe: www.medico.de

mit freundlichen Grüßen!
Rostocker Friedensbündnis (3.1.2009)