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"Camilo - Der lange Weg zum Ungehorsam": Filmveranstaltung am Weltfriedenstag

am 1. September ab 19.30 Uhr vor dem Café Warmbad, Niklotstr. 2; mit einer Einführung zum Film und einer Information der Antirassistischen Initiative Rostock zum Thema Flüchtlinge aus dem Irak 

Über den Film:

"Ich war frei, als man mir Handschellen anlegte" - so beschreibt der Nicaraguaner Camilo Mejía  seine Gefühle nach einer sehr persönlichen Entscheidung. Als Student in Florida trat er in die National Guard ein und diente dort mehrere Jahre. Seit "9/11" werden diese als Milizen konzipierten Einheiten auch zu regulären Soldatendiensten herangezogen. So kam Camilo für mehrere Monate in den Irak. Nach einem Heimaturlaub meldete er sich nicht zurück. Anders als viele andere machte er seine Entscheidung publik und erklärte seine Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen offiziell. Diese Verweigerung wurde allerdings nicht anerkannt; er wurde als Deserteur verurteilt. Heute bittet er das irakische Volk um Verzeihung und arbeitet für den Frieden, geht aber für sein Verhalten im Krieg nach wie vor mit sich selbst ins Gericht.

Dieses Engagement verbindet ihn mit Fernando Suárez del Solar. Er ist der Vater des ersten im Irakkrieg getöteten Soldaten mexikanischer Abstammung. Sein Sohn trat auf eine amerikanische Streumine. Diese Waffen sind verboten, deshalb erfuhr er lange Zeit nicht die Wahrheit über den Tod seines Sohnes. Er hat sich nicht in seinen privaten Schmerz zurückgezogen, sondern sammelt Geld für Kriegsopfer im Irak und spricht in Schulen vor jungen Lateinamerikanern, damit sie nicht den Verlockungen der Rekrutierer aus der US-Army erliegen.

Diese Verlockungen sind groß. Gerade viele Hispanos erhoffen sich vom Militärdienst Integration, sozialen Aufstieg oder ganz konkret, wie seinerzeit Camilo, Geld für ein Studium. Und gerade für sie hat das auch seinen Preis: Das erste US-Kriegsopfer im Irak war ein Junge aus Guatemala.

Der Film führt den Zuschauer an verschiedene Orte: in Militärgefängnisse und Schulen, in den Tour-Wohnwagen von Camilos Vater, dem Musiker Carlos Mejía Godoy, in den Irak, nach Nicaragua und vor Fort Benning, wo lateinamerikanische Rekruten in der "School of the Americas" unter anderem in Foltermethoden unterwiesen werden. Auf didaktische Kommentare verzichtet er - seine Bilder und die fast persönliche Bekanntschaft, die er den Zuschauer mit seinen Protagonisten schließen lässt, vermitteln sein Anliegen in eindringlicherer Weise.

Über den Regisseur:

Peter Lilienthal (geb. 1929) hat über 40 Filme gedreht. Besonders hervorzuheben sind solche, die von Außenseitern der Gesellschaft und ihrer sozialen Aktivität handeln: Shirley Chisholm For President (1971), Porträt einer farbigen Präsidentschaftskandidatin; Start Nr. 9 (1972), Geschichte eines 17-jährigen Sängers und seiner Sinti-Mutter; Kadir - Portrait einer türkischen Familie in Berlin (1976); Ein Fremder (1999)

Der Film "Camilo - Der lange Weg zum Ungehorsam" (2007) lief bereits auf internationalen Filmfestivals und in der BRD in Städten wie Berlin, München, Hannover und Dresden.

Zur Homepage des Films: http://www.camilo-film.org

Zur Homepage des Verleihs: http://www.filmwerkstatt.muenster.de