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Bericht: Ilja Ehrenburgs antifaschistisches Wirken: vierte Veranstaltung der Reihe >>Ilja Ehrenburg: Leben und Werk<<

Die vierte Veranstaltung der von der Initiative Ilja Ehrenburg koordinierten Reihe >>Ilja Ehrenburg: Leben und Werk<< am 16. Dezember 2007 fand in Zusammenarbeit mit der Rostocker Jüdischen Gemeinde statt. Die Jüdische Gemeinde hat das Anliegen der Initiative bereits mit einem eigenen Brief an den Oberbürgermeister der Hansestadt unterstützt.

In der Rostocker Synagoge versammelten sich etwa 50 Teilnehmer: Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, Mitglieder des Vereins Freunde der russischen Sprache e.V. sowie weitere interessierte Rostocker Öffentlichkeit. Prof. Dr. Arkady Tsfasman, Historiker, Ehrenmitarbeiter des Hochschulwesens der Russischen Föderation und Ordentliches Mitglied der Akademie der Geisteswissenschaften St. Petersburg, referierte zum Thema >>Antifaschistische Tätigkeit und antifaschistisches Literaturschaffen Ilja Ehrenburgs<<. Der mit vielen biographischen Informationen arbeitende Vortrag ließ die Konstanz in Ehrenburgs antifaschistischer Tätigkeit deutlich werden. In diesen Kontext wurde auch Ehrenburgs Kriegspropaganda gestellt. Dem von der Goebbelspropaganda geschaffenen Mythos vom blutrünstigen Juden Ehrenburg, der durch die Bemühungen rechter und neonazistischer Kräfte auch heute noch wirksam ist, wurde die antifaschistische Einschätzung Ehrenburgs als desjenigen, der mit Talent und größter Überzeugungskraft den Faschismus angeklagt und entlarvt hat, entgegengesetzt. Zitate aus Gedichten Ehrenburgs gaben einen Eindruck davon, wie sehr der Schriftsteller und Publizist Ehrenburg den Antifaschismus als sein persönliches Anliegen verstand.

In der sehr lebhaften Diskussion ging es um Ehrenburgs Jüdischsein als wichtige Komponente des >>Feindbildes Ehrenburg<<, das Wissen der jungen Generation der Deutschen über die Gräueltaten des Faschismus in der Sowjetunion und die Wahl von NPD-Kandidaten in Landesparlamente der BRD. Ein Einwohner der Ilja-Ehrenburg-Straße berichtete über Neonazidemonstrationen und Flugblätter und Broschüren in den Briefkästen der Straße; sie vermittelten Erfahrungen mit einer Realität, die Einwohner anderer Straßen so möglicherweise nicht kennten. Es wurde vorgeschlagen, den Forderungen nach Verzicht auf die Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße und einer Positionierung der Stadt zu Ilja Ehrenburg bundesweit Nachdruck zu verleihen, zum Beispiel durch Einbeziehung des Zentralrats der Juden.

Aufmerksamkeit erregte die Mitteilung, dass die Jüdische Gemeinde auf ihren Brief an den Oberbürgermeister von Ende September 2007 bisher keine Antwort erhalten habe, obwohl es zu anderen Themen in der Zwischenzeit einen regen Schriftverkehr gegeben habe. Oberbürgermeister Roland Methling, die Präsidentin der Bürgerschaft der Hansestadt Rostock, Liesel Eschenburg, und die Senatorin für Kultur, Schule und Sport, Ida Schillen, waren der Einladung der Initiative zu den Veranstaltungen >>Ilja Ehrenburg: Leben und Werk<< leider auch an diesem Abend nicht gefolgt.

Die Initiative Ilja Ehrenburg darf den Text des Vortrags von Prof. Tsfasman für ihre weitere Arbeit nutzen.

Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 10. Januar 2008 im Theater im Stadthafen statt. Unter dem Titel >> >Die Rolle des Menschen ist einfach und feierlich<: Ilja Ehrenburg über den Kapitalismus<< lesen Schauspieler des Volkstheaters Rostock aus kapitalismuskritischen dokumentarischen Romanen Ehrenburgs wie dem >>Leben der Autos<<. Der Eintrittspreis beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.