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Ilja-Ehrenburg-Straße: Offener Brief an Stadt und OB

Sehr geehrte Damen und Herren, der Pressesprecher der Hansestadt Rostock kündigte in einem Beitrag des NDR-Kulturjournals vom 27. Februar 2012 an, der Oberbürgermeister wolle die Diskussion um den Namen der Ilja-Ehrenburg-Straße aufgreifen, einen Umbenennungsprozess auf den Weg bringen und dazu in den nächsten Tagen und Wochen das Gespräch mit den Vertretern der Kommunalpolitik suchen.

 
Wir fragen den Oberbürgermeister nachdrücklich, aus welchem Grund er die Diskussion aufgreifen will. Wir ersuchen ihn, mit allem Verantwortungsgefühl zu prüfen, worum es sich bei den als Grund vom Pressesprecher der Stadt genannten >jüngsten Erkenntnissen< zu Ilja Ehrenburg tatsächlich handelt.
 
Wir erinnern den Oberbürgermeister und die Abgeordneten der Bürgerschaft
 
- an unseren Offenen Brief >Ilja-Ehrenburg-Straße muss ihren Namen behalten!< vom 8. Mai 2007, der nach einer ähnlichen Ankündigung des Oberbürgermeisters, die Straße umbenennen zu wollen, entstand
 
- an die unterstützenden Reaktionen aus Politik und Gesellschaft, die das Oberbürgermeisterbüro und uns daraufhin erreichten
 
- an unsere Veranstaltungsreihe über Leben und Werk Ilja Ehrenburgs zusammen mit verschiedenen Partnern 2007-2008 in Rostock
 
- an die Ausstellung >Ilja Ehrenburg und die Deutschen< des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst, die wir 2009 in Rostock zeigen konnten, und ihr Begleitprogramm
 
- an unsere Podiumsdiskussion über die Ilja-Ehrenburg-Straße am 4. Juni 2009 mit Kommunalpolitikern, von denen auch heute noch viele in der Stadtpolitik tätig sind
 
- an die zwei Anträge der NPD-Abgeordneten in der Rostocker Bürgerschaft auf Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße im Jahr 2011.
 
Wir rufen die Verantwortlichen der Stadt auf, die politische Signalwirkung einer Eskalation der Diskussion um den Namen einer nach einem weltberühmten Schriftsteller, Antifaschisten und Juden benannten Straße im zwanzigsten Jahr nach den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen und nach dem Bekanntwerden der Tatsache, dass auch in Rostock vom so genannten >Nationalsozialistischen Untergrund< ein Mord verübt wurde, bundesweit und international für Rostock zu bedenken.
 
Wir bitten unsere Adressaten, uns zu gestatten, in den nächsten Tagen und Wochen in dieser Angelegenheit mit weiteren Informationen an sie heranzutreten. Wir laden sie und alle Einwohner der Hansestadt Rostock ein, mit uns in den Dialog zu treten. Die Ilja-Ehrenburg-Straße trägt den Namen einer großen historischen Persönlichkeit. Wir arbeiten für die Erhaltung dieses Namens und dafür, dass die Stadt diesen Namen nicht nur nicht tilgt, sondern sich für ihn einsetzt und ihn verteidigt. Allen, die zur Person Ilja Ehrenburgs und zu den Einzelheiten der Kontroverse um den Straßennamen mehr wissen möchten, geben wir gern Auskunft. Wer unser Anliegen teilt, ist zur Mitarbeit in unserer Initiative herzlich willkommen. 
 
Hochachtungsvoll
Initiative Ilja Ehrenburg
 
Rostock, 29. Februar 2012