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Nachrichten vom Nordstrahl (17. August)

Gestern gab es nichts Schriftliches vom Nordstrahl. Nicht, dass nichts passiert wäre! Im Gegenteil. Nur hat uns unsere Tour auf der Zielgeraden keine Zeit für Ausflüge ins Internet gelassen.

Am Vormittag waren wir noch in Potsdam und zeigten Flagge und Transparent vor dem geplanten Wiederaufbauort der Garnisonkirche, eines jahrhundertealten Symbols für den preußischen Militarismus und Orts des Handschlags zwischen Hindenburg und Hitler beim Festakt zur konstituierenden Sitzung des Reichstags am 21. März 1933. Dabei trafen wir ein Mitglied der Bürgerinitiative, die sich mit geschichtspolitischen, architektonischen und finanziellen Argumenten gegen den Wiederaufbau einsetzt. Es war sehr interessant, aus erster Hand etwas über den Stand der Diskussion und die weiteren Pläne der Initiative zu erfahren. Es ist so, dass die Stadtverordnetenversammlung durch ihr Abstimmungsverhalten einen von über 14.000 Potsdamern geforderten Bürgerentscheid verhindert hat. Stattdessen hat sie den Oberbürgermeister beauftragt, auf die Auflösung der den Wiederaufbau betreibenden Stiftung hinzuwirken. Ein Erfolg gilt aber als wenig wahrscheinlich. Es wird in den nächsten Monaten also viel darauf ankommen, dass der Druck der Öffentlichkeit nicht nachlässt. Aktuelles kann man auf www.ohne-garnisonkirche.de erfahren. Wir betrachteten noch die Reste der Garnisonkirche und stellten uns vor, was man alles mit ihnen machen könnte, ohne die Kirche wiederaufzubauen. Anschließend rodeten wir Unkraut vor dem benachbarten Gebäude. Dort war nämlich ein Marx-Zitat aus den „Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie“ in die Fassade eingelassen. Nun ist es wieder gut zu lesen.
Danach machten wir uns auf den Weg nach Berlin zum Brandenburger Tor, wo die Zwischenkundgebung der letzten Etappe der Friedenssternfahrt stattfand. Alle Strahlen waren hier versammelt. Wir zogen mit vor die nahegelegenen Botschaften von Teilnehmerländern des Ersten Weltkriegs, um dort Briefe der Sternfahrt für Frieden und Abrüstung an die Bevölkerung ihrer Länder abzugeben. Allerdings nahm nur die russische Botschaft den Brief an. Nun ging es im Konvoi zum Friedensfestival auf dem Alexanderplatz, wo wir uns noch einige Stunden aufhielten. Den geplanten Auftritt der DFG-VK auf der Bühne am Abend verhinderte aber ein plötzlicher Wetterumschwung. Da hielt uns auch nichts mehr in Berlin. Wir kamen noch am Abend auf breiten luftbereiften Rädern wieder in Rostock an. Vielen Dank an unseren unermüdlichen Ritter des Gaspedals, der das möglich gemacht hat!
Weitere Informationen zum gestrigen Tag, zur Sternfahrt insgesamt und zum Nachlesen gibt es hier: www.sternfahrt2014.dfg-vk.de . Der Nordstrahl strahlt nun wieder im Norden. Vielleicht hat er aber auf seinem Weg auch hier und da ein Licht hinterlassen. Allen, die noch unterwegs sind, ebenfalls eine gute Heimfahrt und bis zum nächsten Mal!