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Nachrichten vom Nordstrahl (15. August)

Heute war der Nordstrahl weit unterwegs. Unsere Stationen waren die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg im Norden und der Truppenübungsplatz Lehnin ganz auf der anderen Seite von Berlin.

In Sachsenhausen fiel uns die große Zahl ausländischer Besucher auf. Hier waren Menschen aus 20 Ländern inhaftiert.  Schon in den ersten Kriegsmonaten 1941 wurden in Sachsenhausen 10.000 sowjetische Kriegsgefangene in einer speziellen Genickschussanlage getötet und in mobilen Krematoriumsöfen verbrannt. Im größten Außenlager von Sachsenhausen, in Oranienburg, mussten 7.000 Sachsenhausener Häftlinge für den Rostocker Flugzeugbauer und Kriegsgewinnler Ernst Heinkel arbeiten, vor allem an der Produktion seines Bombers He 177. Am 11. Oktober 1944 wurde zusammen mit 23 deutschen und drei französischen Häftlingen der Rostocker Antifaschist Rudolf Mokry erschossen. Sie hatten eine illegale Gruppe gegründet und waren dabei, im Lager Widerstand zu organisieren. Im Oktober dieses Jahres soll ein Denkmal für „die 27“ eingeweiht werden. Rostocker Mitglieder der VVN-BdA haben Kontakt zur Sachsenhausener Gedenkstätte und werden an dieser Veranstaltung teilnehmen.  In Sachsenhausen saß eine Zeitlang Stepan Bandera, der ukrainische Nationalist und Nazi-Kollaborateur, auf den sich Neofaschisten in der Ukraine heute wieder als Nationalhelden berufen. Er war den deutschen Faschisten 1941 bei der Eroberung der Ukraine in die Quere gekommen. Viel passierte ihm aber nicht. Er lebte nach dem Krieg noch jahrelang als Teil der ukrainischen Diaspora in München. Als überdimensioniert empfanden wir die Darstellung des sowjetischen Speziallagers, das 1945 bis 1950 in Sachsenhausen existierte. Weder die sowjetisch-deutschen Beziehungen in der Zeit bis 1945 noch die Gründe für die Inhaftierung der Insassen des Lagers sind ausreichend differenziert dargestellt. Bezeichnend fanden wir, dass unsere beiden Navis die Straße der Nationen nicht anzeigten, an deren Ende sich die Gedenkstätte befindet.
Am Nachmittag in Lehnin lernten wir ein neues Wort: TrÜbPl. Solche Abkürzungen und Wörter wie „Schießanlage“ und „Großsprenganlage“ prägen die Gegend. Neben diesen Operationen, Fahren in schwerem Gelände und Waldkampf wird auf dem Truppenübungsplatz Lehnin auch der Häuserkampf in einer Großstadt geübt. Was uns besonders angeht: Hier trainiert auch das neu geschaffene Kommando Spezialkräfte Marine. Der Platz umfasst über 7.200 Hektar und nimmt auf diesem Territorium einen großen Raum ein. Darüber, wie man ihn umfährt, um zu unserer Unterkunft zu kommen, hätten wir uns fast zerstritten. Aber jetzt sind wir da und haben trotz See und Baumbestand vor allem den Krach von der Autobahn im Ohr. Berliner Randgeräusche!  
Morgen sind wir um 10 Uhr in Potsdam an der Stelle, an der die Garnisonkirche wiedererbaut werden soll, und treffen dort unseren letzten Mitfahrer. Anschließend bewegen wir uns Richtung Alexanderplatz. Bis morgen!