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Hundert Jahre und kein Frieden: unser Aufruf zum Welfriedenstag

Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, heute vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg. Niemand hat aus diesen verheerenden Kriegen Lehren gezogen. Heute existieren mit den Eskalationen im Nahostkonflikt, der Ukrainekrise und den Folgen des Überfalls auf den Irak 2003 drei große internationale Brandherde gleichzeitig und die Kriegsgefahr wächst weiter.

Was hätte man denn aus den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts lernen können?
-          dass man in Kriege nicht hineintaumelt, sondern dass sie von Politik und Wirtschaft vorbereitet werden
-          dass Krieg kein Mittel der Politik sein darf
-          dass Krieg unendliches menschliches Leid verursacht
-          dass Wissenschaft sehr effiziente Waffen hervorbringen kann
-          dass nationalistische Erziehung Kriegsvorbereitung ist
-          dass rassistisches und faschistisches Denken in den Krieg treibt
Und was hat man eben gerade NICHT gelernt?
-          Dass der Erste Weltkrieg vorbereitet wurde, wird heute wieder in Zweifel gezogen. Insbesondere die deutsche Schuld am Krieg wird verschleiert. Deutschland wird als Opfer dargestellt. Damit hat man auch gleich eine gute „Entschuldigung“ für die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs durch den deutschen Faschismus. Nebenbei bemüht man sich, die linke Geschichtswissenschaft zu erledigen, die die deutsche Schuld am Krieg überzeugend herausgearbeitet hat.
-          Krieg ist seit den 90-er Jahren wieder ein offen praktiziertes Mittel bundesdeutscher Außenpolitik. Gelernt hat man, dass man ihn lieber „Sicherheitspolitik“ nennen soll und dass man sich nach außen hin nicht so aggressiv geben darf. Daher gewährt die bundesdeutsche Regierung nur Überflugrechte und logistische Unterstützung, lässt es nur zu, dass Stützpunkte von NATO-Staaten auf dem Territorium der BRD Drehkreuze von Truppentransporten und Drohneneinsätzen werden, und liefert Waffen in Krisengebiete, damit andere dort bundesdeutsche politische und wirtschaftliche Interessen durchsetzen. Dafür wird neuerdings sogar von linker Seite Beifall geklatscht.
-          Eigene Soldaten schickt man angeblich nur aus humanitären Gründen in den Krieg. Menschliches Leid soll gelindert und Demokratie durchgesetzt werden. Aber das geschieht nur in den Weltregionen, die für die kapitalistischen Staaten ökonomisch und strategisch interessant sind. Für andere und für wirklich humanitäre Hilfe ist kein Geld da.
-          Forschung für den Krieg wird mehr denn je betrieben und inzwischen auch der öffentlichen Kontrolle entzogen. Durch sie werden die Hochschulen und Forschungseinrichtungen weiter dem Gewinnstreben der Wirtschaft unterworfen, während es doch eigentlich ihre Aufgabe ist, für die Lösung wirklicher Menschheitsprobleme wie Ernährung der Weltbevölkerung, Überwindung von Krankheiten, Ursachen und Arten von Ausbeutung und Unterdrückung zu arbeiten und die junge Generation in selbstständigem Denken zu schulen. Dabei geht es nicht nur um Natur- und Ingenieurwissenschaften – auch die Geisteswissenschaften lassen sich in den Dienst des Krieges stellen. Sie erarbeiten Rechtfertigungen für die Kriegspolitik und sorgen dafür, dass die künftige geistige „Elite“ sie nicht mehr hinterfragt. Jugendoffiziere in den Schulen und Besuche bei der Truppe haben den Keim für die Akzeptanz von Militär und Krieg da schon gelegt. 
-          Nationalismus ist nicht mehr tabu. Es ist doch angeblich alles schon so lange her … Deutschland ist wieder wer: Exportweltmeister und Schulmeister für die Wirtschaft anderer Länder, auch wenn im eigenen Land die Verelendung fortschreitet. Nationalismus brandet auch auf, wenn Fußballweltmeisterschaft ist, auf einmal die deutschen Nationalfarben allgegenwärtig sind und deutsche Nationalspieler sich über ihre Gegner lustig machen, als hätte es nie eine Ideologie gegeben, die Deutschland über alle anderen Länder stellte.
-          Aus rassistischem und faschistischem Denken folgten Vernichtungskrieg und Abschlachtung von Millionen Menschen. Heute paktiert man mit Regierungen, an denen Faschisten beteiligt sind, wenn es nur gegen den strategischen Machtfaktor Russland geht. Heute durfte in Deutschland eine faschistische Bande jahrelang ungestraft Morde begehen und wurde dabei zusammen mit ihren Hintermännern von staatlichen Stellen noch gedeckt. Aus Naivität? Aus Unvermögen? Aus dem Wunsch heraus, sich Faschisten warmzuhalten? Sie gegen Linke auszuspielen, wenn diese gegen Sozialabbau, Überwachungswahn und Kriegspolitik aufstehen? Warum, nach allen historischen Erfahrungen mit dem Faschismus?
Dieses „man“ sind die Regierungen der kapitalistischen Staaten. Sie haben so gut wie nichts gelernt – höchstens, wie man die Interessen seiner Lobbyisten noch geschickter durchsetzt. Und daran wird sich nichts ändern, solange die Lobbyisten kapitalistische Rüstungskonzerne und geopolitische Strategen sind, die immer noch mehr von der Welt beherrschen wollen.
Was aber haben wir, was hat die Friedensbewegung gelernt?
Die bürgerliche Friedensbewegung Ende des 19. Jahrhunderts setzte gegen die Kriegsgefahr auf internationale Organisationen und Friedensverträge. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs zeigten auch viele ihrer Vertreter nationalistische Begeisterung. Internationale Organisationen, die nach den Kriegen entstanden, waren aber genauso politisches Werkzeug der beteiligten Länder wie deren Armeen. In der UNO wurde das Konzept der Schutzverantwortung entwickelt, mit dem auch militärische Interventionen begründet werden. Die Europäische Union, ein Wirtschaftszusammenschluss, geschaffen mit dem Ziel, andere Wirtschaftsregionen niederzukonkurrieren, baut eine eigene Militärsparte auf. Der NATO-Gipfel Ende dieser Woche wird 60 Staats- und Regierungsoberhäupter aus NATO- und Nicht-NATO-Staaten versammeln – hier greift ein Militärbündnis nach internationaler politischer Macht.
Wehren wir uns dagegen! Kriege sind kein Kampf zwischen Gut und Böse. Sie dienen auch nicht der Sicherheit und es werden keine Werte in ihnen verteidigt. Die Friedensbewegung weiß das. Ihre unterschiedlichen Strömungen müssen zusammenarbeiten, noch mehr Menschen gewinnen und sich noch mehr Gehör verschaffen. Sie brauchen den Schulterschluss mit den Bewegungen gegen Sozialabbau. Sie brauchen noch mehr internationale Vernetzung und Solidarität untereinander. Aus einem Krieg ist zu lernen, dass es nie wieder welche geben darf. Dafür brauchen wir alle unsere Kraft.
Heute, am 1. September, vor 75 Jahren entfesselte das faschistische Deutschland den Zweiten Weltkrieg. Heute findet die Sondersitzung des Deutschen Bundestages über deutsche Waffenexporte in den Irak statt. Heute ist einer der Tage, an denen in Wales die Aktionen der Friedensbewegung gegen den NATO-Gipfel laufen. Wir leben in Zeiten des Krieges. Seien wir wachsam und stellen wir uns ihm entgegen!
Gegen alle deutschen Waffenlieferungen!
Gegen Geschichtsvergessenheit!
Gegen politische Lügen! Krieg beim Namen nennen!
Gegen die Militarisierung von Bildung, Erziehung, Wissenschaft und Gesellschaft!
Gegen Faschismus und Rassismus!
Für eine starke Friedensbewegung!
Weltfriedenstag in Rostock am Montag, 1. September 2014, Universitätsplatz, Informationsstände ab 15 Uhr, Kundgebung ab 17 Uhr
Macht mit!
Rostocker Friedensbündnis
DFG-VK-Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg