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Erklärung zum Hiroshimatag: unser Grußwort an die Wiener Friedensbewegung 2014

Der 6. August und der 9. August stehen für eine der schlimmsten Atomwaffenkatastrophen der Menschheit, der ersten Anwendung dieser „Geißel der Menschheit“. Unendliches menschliches Leid kam über hunderttausende unschuldige Menschen. Noch heute leiden viele Menschen unter den Folgen ihrer Verbrennungen, Verstrahlungen und psychischen Traumata. Darauf wurde hartnäckig von vielen NGO‘s auf der ganzen Welt immer wieder hingewiesen und für die Ächtung aller Atomwaffen geworben. Eine neue diplomatische Initiative auf UNO-Ebene hat einen neuen Ächtungsvertrag zur Diskussion gestellt, worüber noch in diesem Jahr in Wien verhandelt wird.

 
Gedenktage wie zu Hiroshima und Nagasaki dürfen darüber nicht hinwegtäuschen, dass auch ohne die Anwendung von Atomwaffen viele Mill. Menschen bisher zu Schaden gekommen sind, nämlich durch die atomare Kette: durch Uranbergbau, Produktionsschritte des Kernbrennstoffes, Atomwaffentests, Produktion von weiterem radioaktiven Abfall, Uranmunition, ein scheußliches Abfallprodukt zur gegenwärtigen Kriegsführung, sind weltweit Menschen zu Hibakushas, unschuldigen Opfer von Atomwaffen, in allen Gegenden der Welt, auf allen Kontinenten gemacht worden. Dieser Aspekt wurde bisher in den Friedensbewegungen noch nicht genügend beleuchtet. Mit der Klage der Marshallinseln im April 2014 vor dem Internationalen Strafgerichtshof ist noch einmal ins Bewusstsein gehoben worden, wie viel Personen bewusst als „Versuchstiere“ missbraucht worden sind, um an ihnen die Folgen radioaktiver Strahlung auf die Gesundheit von Menschen zu studieren.  
 
Anstatt sich international um Abrüstung und Ächtung dieser einzigartigen Massenvernichtungswaffe zu bemühen, passiert im Augenblick das Gegenteil: Mit großem finanziellen Aufwand von mehr als 10 Milliarden Dollar werden in den Atomwaffenstaaten (9 an der Zahl) die Arsenale erneuert und modernisiert, um diese Waffen besser und gezielter einsetzbar zu machen. Auch die noch verbliebenen 20 Atombomben, die auf deutschem Boden in Büchel gelagert sind, werden mit großem Aufwand modernisiert. Auf den deutschen Steuerzahler kommen wegen seiner eigenen atomaren Teilhabe etwa 250 Mill. Euro zur Umrüstung der deutschen Tornados zu, die im Ernstfall diese Atombomben tragen - jede hat mehrmals die Zerstörungskraft der damaligen Hiroshima-Bombe. Hinter dieser Modernisierung steckt u.a. auch eine Atomwaffenindustrie, die sich auf diese Weise ihren Erhalt sichern möchte. Triebkraft zum Erhalt dieser Branche sind weltweit etwa 200 Banken, die dafür umfangreiche Kredite an Atomwaffenfirmen und für ihre Projekte vergeben, darunter auch 8 deutsche Banken mit mehreren Milliarden Euro.
 
Die deutsche Friedensbewegung reagiert auf diese Entwicklungen mit zahlreichen Aktionen und Kampagnen.
 
Vom 2. bis 10.8.2014 findet in Anknüpfung an die große 24-Stunden-Konzertblockade mit zahlreichen Musikgruppen im letzten Jahr ein zehntägiges Aktionscamp statt. Es sind zahlreiche Gruppen eingeladen, eigene Aktionen u.a. auch des zivilen Ungehorsams durchzuführen, die Infrastruktur dafür wird über das Camp bereitgestellt. Fest zugesagt haben einige Musikgruppen, die Friedensreiter und das Netzwerk junger politischer Aktivisten (Junepa). Mehr Informationen auf www.buechel-atomwaffenfrei.de
 
Im Herbst startet der deutsche Zweig der internationalen ICAN-Kampagne, der sogenannten Bankenkampagne, bei der jeder Kunde seine Bank auffordern kann, aus dem völkerrechtswidrigen Atomwaffengeschäft auszusteigen und der Atomwaffenindustrie keine Kredite mehr zur Verfügung zu stellen. Auftakt wird der 26. September sein.
Die Internationalen Ärzte zur Verhinderung eines Atomkrieges (IPPNW) hat mit ihren weltweiten Verbindungen 50 Plätze auf der Welt auf allen Kontinenten identifiziert, wo Menschen durch die atomare Kette in ihrer Gesundheit und Umwelt schwer geschädigt worden sind. In einer eindrucksvollen Ausstellung bekommen diese Menschen in Wort und Bild als Atomwaffenopfer weltweit endlich eine öffentliche Stimme. Diese Ausstellung wandert zurzeit durch Deutschland und kann auch als Kopie von Gruppen erworben werden. Sie ist in englischer und deutscher Sprache bei der Geschäftsstelle der IPPNW Deutschland in Berlin erhältlich.
 
Wenn man dem Ziel der Abschaffung und international vertraglich abgesicherten Ächtung (siehe chemische Waffen, biologische Waffen oder Streuminen) näher kommen will, muss sich die Friedensbewegung national wie international weiter vernetzen, besonders mit Umwelt-, Menschenrechts- und humanitären Organisationen. Im Mai nächsten Jahres
wird es wieder in New York im Vorfeld der Diplomatenkonferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrages ein großes Treffen von Gruppen und Organisationen geben, die sich dieses zum Ziel gesetzt haben. Sie sollte eng von lokalen dezentralen Aktionen begleitet werden. In Büchel als dem einzigen Atomwaffenstandort in Deutschland ist im Vorfeld dieses Ereignisses eine zweimonatige Dauerpräsenz geplant. Damit erhofft man sich Druck auf unsere deutsche Regierung auszuüben, die mit ihrer stillschweigenden Zustimmung zur Modernisierung der amerikanischen Atomwaffen gerade eine politische „Rolle rückwärts“ veranstaltet und den breiten interfraktionellen Beschluss des deutschen Bundestages zum Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland zu unterlaufen versucht.

Webseite der Wiener Friedensbewegung zum Hiroshimatag: http://www.hiroshima.at/