Sie sind hier

"1914 – Der Wille zum Krieg": Vortrag von Prof.Dr. Wolfram Wette

100 Jahre nach dem Weltkriegsbeginn 1914 ist die sogenannte „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ in aller Munde. Alte Legenden treten in neuen Gewändern auf. Wiederum werden die seit jeher politisch hochbrisanten Fragen erörtert: Wer war schuld an diesem Weltkrieg?

Waren es strauchelnde Politiker und Militärs aus allen europäischen Hauptstädten, die das Krisenmanagement nicht beherrschten und die wider Willen in den Krieg oder in das „Menschenschlachthaus“ (W. Lamszus) „hineingeschlittert oder besser getaumelt oder gestolpert“ sind? So hat es der liberale britische Politiker David Lloyd George im Dezember 1920 ausgedrückt. Sein Diktum wurde damals von den Deutschnationalen und später von den Nationalsozialisten begierig aufgenommen, ließ es sich doch bestens in Sinne der deutschen Kriegsunschuldspropaganda verwenden.

Neuerdings will uns der australische Historiker Christopher Clark Ähnliches nahe bringen. In seinem Bestseller behauptet er, es seien „Schlafwandler“ gewesen, die ganz Europa in den Krieg geführt hätten. Sie seien gleichsam nicht bei Sinnen gewesen und daher auch schuldunfähig. Das entlastet natürlich die deutsche Seele, auf der die unabweisbare Schuld am Zweiten Weltkrieg und die Hauptverantwortung für den Ersten liegt. Aber hält die alt-neue These auch den Fakten stand? Steht uns ein neuer Historikerstreit ins Haus? Oder bleibt der notwendige Streit aus wegen des großen zeitlichen Abstands und des Desinteresses der Jüngeren?
(gez. W. Wette 17.6.2014)
Professor Dr. Wolfram Wette, Historiker und freier Autor, arbeitet am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. Er ist Mitbegründer der Historischen Friedensforschung. Am Freitag, 4. Juli, um 19 Uhr spricht er in der Aula der Volkshochschule, Am Kabutzenhof 20 A. Die Veranstaltung wird vom Rostocker Friedensbündnis, der DFG-VK-Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg, der Volkshochschule der Hansestadt Rostock, der Landesarbeitsgemeinschaft Frieden und internationale Sicherheit der Partei Die Linke und der Geschichtswerkstatt Rostock in Kooperation mit weiteren Partnern ausgerichtet. Sie steht im Zusammenhang mit der Aktionswoche des Rostocker Friedensbündnisses zum Gedenkjahr 1914-2014. Der Eintritt ist frei. Herzlich willkommen!
AnhangGröße
PDF icon 1914-der-wille-zum-krieg-flyer.pdf256.71 KB