Sie sind hier

Offener Brief an die Universität Rostock zu ihrer Zivilklausel

Rostock, 10. Oktober 2013 - Offener Brief an den Präsidenten des Konzils der Universität Rostock, Prof. Dr. Andreas Wree; an den Rektor der Universität Rostock, Prof. Dr. Wolfgang Schareck; an den Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock, Prof. Dr. Emil Christian Reisinger; an den Ärztlichen Vorstand und Vorstandsvorsitzenden der Universitätsmedizin Rostock, Prof. Dr. Peter Schuff-Werner - Betreff: Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie in Rostock

Sehr geehrte Herren,  
in diesen Tagen findet in Rostock-Warnemünde in enger Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Rostock der diesjährige Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP) statt.
Der Ärztliche Vorstand und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Rostock fungiert als einer der wissenschaftlichen Leiter des Kongresses. Er ist Mitglied der Jury für wissenschaftliche Beiträge in Form von Postern, die während des Kongresses in einer Ausstellung von Nachwuchswissenschaftlern präsentiert werden, und moderiert den Tagungspunkt „Einsatzrelevante Themen aus der Akutmedizin“. Der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock hält ein Grußwort.
Noch ein Detail aus dem Programm des Kongresses: Im Rahmen des Kongresses wird der Paul-Schürmann-Preis der DGWMP und der Vereinigung deutscher Sanitätsoffiziere (VdSO) zur Förderung der wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Wehrmedizin und Wehrpharmazie verliehen. Prof. Paul Schürmann trat 1935 als Stabsarzt in die Wehrmacht ein und baute ein „Institut für Allgemeine und Wehrpathologie“ an der Militärärztlichen Akademie Berlin auf. Er fiel im Juli 1941 „in Russland“, wie es auf der Webseite der DGWMP heißt.
Unsere Meinung ist: Die Bundesrepublik Deutschland führt Krieg. Wehrmedizin und Wehrpharmazie unterstützen den Krieg.
Wir fragen darum: Inwiefern entspricht Ihrer Meinung nach die Zusammenarbeit von Universität Rostock und Deutscher Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie bei diesem Kongress der Zivilklausel in Paragraph 3 Punkt 5 der Grundordnung der Universität Rostock?
Wir stellen diese Frage auch vor dem Hintergrund der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag vom 5. September 2013, die besagt, dass die Universität Rostock im Haushaltsjahr 2013 114.000 Euro an Drittmitteln für Forschungsaufträge des Bundesverteidigungsministeriums erhält.
Hochachtungsvoll
Rostocker Friedensbündnis
Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)