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165 Jahre Deutsche Marine, 100 Jahre Militärstützpunkt Hohe Düne - kein Grund zum Feiern!

Die Bundeswehr plant für die kommende Woche in Rostock Feiern zum 165. Jahrestag der Deutschen Marine und zum 100. Jahrestag des Militärstandorts Hohe Düne. Auch wir, das Rostocker Friedensbündnis und die Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), wollen diese Jahrestage begehen – natürlich auf unsere Art! Die fortschreitende Militarisierung der Region ist für die Friedensbewegung kein Grund zum Feiern.

Deshalb freuen wir über alle interessierten Rostockerinnen und Rostocker, die am Sonnabend, dem 8. Juni, ab 11 Uhr auf den Kanonsberg zusammen mit uns an einer Aktion zum Auftakt der „Feierlichkeiten“ teilnehmen. Um fünf vor zwölf werden wir von dort keine bunten, sondern schwarze Luftballons in den Himmel steigen lassen.
Gleichzeitig läuten wir mit dieser Aktion für Rostock die diesjährigen bundesweiten Antimilitaristischen Aktionstage für militärfreie Bildung und Forschung ein; mehr Informationen dazu hier:

 

>>>>>Und hier Bilder von der Aktion sowie der Text unseres Flugblatts!

Der Kanonsberg mal ganz friedlich
 
 Gleich fünf vor zwölf
 Los!
Fünfzig schwarze Luftballons machen sich auf den Weg zum Rostocker Rathaus
Tschüß, und - wir kommen wieder!
 
165 Jahre Deutsche Marine, 100 Jahre Militärstützpunkt Hohe Düne – kein Grund zum Feiern!
Die Bundeswehr will in der kommenden Woche feiern. Die Marine hat Geburtstag – die Teilstreitkraft, die aus der Bundeswehrreform fast unbeschadet herausgekommen ist.
Weil man sie braucht! Kriegsschiffe sichern deutsche Exporte und damit die wirtschaftliche Übermacht Deutschlands, die andere Länder unterdrückt. Kriegsschiffe sind schnell verlegbare Waffensysteme. Sie können alle Meeresanrainer auf der Welt angreifen, bei weitgehender Schonung der eigenen Besatzung: Die Korvetten K130 aus Hohe Düne sind für den Einsatz in Küstengewässern ausgelegt und können 200 Kilometer weit ins Land schießen. Und da ja mit diesen Jahrestagen tief in die Geschichte geblickt wird: „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser“ – dieser Ausspruch Wilhelms II. aus der Zeit der imperialistischen Aufrüstung des deutschen Kaiserreiches passt auffallend genau zu der Bezeichnung „Braunschweig-Klasse“ für die Korvetten K-130. „Braunschweig“ hieß ein Typschiff der kaiserlichen Marine, das mit den damals neuesten Kanonen ausgerüstet war. Auch damals wollte man sich ein möglichst großes Stück der Welt sichern.
Und wo könnten diese Feiern besser stattfinden als in Rostock? Rostock ist seit 2012 „Heimathafen der Deutschen Marine“. Die neue geschaffene oberste Führungsbehörde der Marine, das Marinekommando, wurde hier angesiedelt. Die höchsttechnisierten und aggressivsten Kriegsschiffe der NATO, die Korvetten K130, liegen in Hohe Düne. Große Rüstungsfirmen stehen in den Startlöchern. So wurde auch seinerzeit Hohe Düne mit den Heinkel-Flugzeugwerken von einem Seefliegerhorst zu einem Rüstungsstandort. Die Stadtverwaltung scheint auf diese Entwicklung stolz zu sein. Bereits im vorigen Jahr hat sie die Imagebroschüre „Marinestandort Rostock“ herausgebracht und sich nicht gescheut, auf dem Titelblatt ein Kind mit einer Schirmmütze der Marine abzubilden.    
Das alles geschieht in dem Bundesland, das – ebenfalls seit 2012 – bundesweit die höchste Militärdichte aufweist. In dem es versäumt worden ist, für breite Schichten der Bevölkerung in ausreichender Zahl zivile Arbeitsplätze zu schaffen. In dem darum auch nach der Aussetzung der Wehrpflicht viele für sich keine andere Zukunft sehen als den Soldatenberuf oder eine Arbeit als ziviler Dienstleister für die Bundeswehr. In dem die Bundeswehr leider mit Recht von sich behauptet, sie sei ein wichtiger Arbeitgeber. In dem kritische Haltungen gegenüber dieser Art von „Arbeit“ immer weniger werden - wenn wir uns alle dem nicht entgegenstellen und auf Veränderungen dringen! 
In der kommenden Woche finden auch die bundesweiten Antimilitaristischen Aktionstage für militärfreie Bildung und Forschung statt. Viel zu tun auch in Rostock! Kinder brauchen friedliche Bildung für eine Welt für alle, Wissenschaft braucht Freiheit und zivile Perspektiven für die Arbeit an den globalen Problemen der Menschheit. Jugendoffiziere in Klassenzimmern und Schulklassen auf Truppenbesuch gibt es auch hier. Die Universität hat eine Zivilklausel – wird sie eingehalten?
165 Jahre Deutsche Marine, 100 Jahre Militärstützpunkt Hohe Düne - kein Grund zum Feiern für uns! Aber die kommende Woche wollen wir trotzdem einläuten – auf unsere Art. Fröhliche Feste werden mit bunten Luftballons gefeiert. Wir feiern mit schwarzen Luftballons! Macht mit!
Für eine zivile Entwicklung der Region!
Für friedliche Bildung und friedliche Arbeit!
Für zivile Jahrestage!
Rostock, Sonnabend, 8. Juni 2013, 11 Uhr auf dem Kanonsberg