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Großer Zapfenstreich: Offener Brief an Abgeordnete

Offener Brief an
- den Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering
- die Abgeordneten des Deutschen Bundestages aus der Region,
Heidrun Bluhm
Steffen Bockhahn
Eckhardt Rehberg
Dr. Harald Terpe
- die Fraktionen des Landtags Mecklenburg-Vorpommern
- die Fraktionen der Bürgerschaft der Hansestadt Rostock
 
 
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Damen und Herren,
 
am kommenden Donnerstag, dem 21. Oktober, wird auf dem Neuen Markt in Rostock unter dem Motto „20 Jahre deutsche Einheit“ ein Großer Zapfenstreich der Bundeswehr stattfinden. Viele von Ihnen haben Einladungen zu dieser Feierlichkeit erhalten.
 
Dass der Zapfenstreich stattfinden soll, ist erst öffentlich geworden, nachdem die ersten Ankündigungen von Protesten die Presse erreicht hatten. Das sagt viel aus über die Informationspolitik der Bundeswehr. Wie man nun hört, will sie sich mit dem Großen Zapfenstreich bei der Bevölkerung für die gute Aufnahme der Deutschen Marine in Rostock bedanken. Gleichzeitig kündigt sie an, die Veranstaltung mit Feldjägern sichern zu wollen.
 
Wir sind der Meinung: Wir sollten uns bedanken. Großer Zapfenstreich – nein danke! 20 Jahre deutsche Einheit – das sind für uns 20 Jahre Kriegseinsätze. Das haben wir in unserem Aufruf zu Protesten gegen den Großen Zapfenstreich in Rostock zum Ausdruck gebracht. Die Bundeswehr bedient im Ausland ökonomische und imperiale Interessen der offiziellen Bundesrepublik. Wir sind sicher: Auch die Rostocker Bevölkerung ist sich bewusst, dass die Aufrüstung der Region durch den Ausbau der Militärstützpunkte und die Ansiedlung von Rüstungsindustrie und -forschung zu Lasten der Schaffung ziviler Arbeit für eine friedliche Entwicklung geht. Sie lehnt wie 70 Prozent der Bevölkerung insgesamt die bundesdeutsche Kriegsbeteiligung in Afghanistan ab. Spätestens seit dem Massaker von Kundus im September 2009 weiß sie genau, wie schmutzig das Geschäft der Bundeswehr am Hindukusch ist. Sie braucht keine Show einer Bundeswehr in feinen Ausgehuniformen auf dem Neuen Markt!     
 
Sie sind Volksvertreter. Die Bevölkerung hat Sie in die Parlamente gewählt. Wollen Sie der Bundeswehr zujubeln, wenn sie am Donnerstag die Stadt mit ihrem militaristischen Ritual besetzen will, gegen das es auch in der Geschichte der Bundesrepublik immer wieder Proteste, parlamentarische Interventionen und gerichtliche Klagen gegeben hat? Wollen Sie schweigen, wenn die Bevölkerung mit Gleichschritt, Gebet und klingendem Spiel für Kriegseinsätze vereinnahmt werden soll? Dieser Zapfenstreich sollte nicht stattfinden. Für den Fall aber, dass Bundeswehr und Stadt nicht von ihrem Vorhaben ablassen, rufen wir Sie auf:
 
Verweigern Sie sich! Gehen Sie nicht hin. Oder: Nehmen Sie teil, aber besetzen Sie die Tribüne mit Ihrem Protest gegen den Großen Zapfenstreich! Entfalten Sie Transparente! Die Straßenbeleuchtung wird abgeschaltet sein, aber die Fackelträger der Bundeswehr werden Ihnen leuchten. Artikulieren Sie Ihren Protest mit Worten! Das Zeremoniell enthält genügend Stellen, an denen keine Musik erklingt - man wird Sie hören. Ebenso wie uns!
 
Unterstützen Sie uns! Wir bleiben gern weiter mit Ihnen zu der Thematik im Kontakt:
 
Bündnis gegen den Zapfenstreich am 21. Oktober in Rostock
c/o Rostocker Friedensbündnis
Postfach 10 82 40
18012 Rostock

Rostock, 18.10.2010