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„Dieses Land muss unser sein …“ - Ratschlag zum Thema 20 Jahre deutsche Einheit

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Dass ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

 
Dass die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
 
Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
 
Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's.
Und das liebste mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.
 
Bertolt Brecht, Kinderhymne (1949)
 
Das faschistische Deutschland hatte den Zweiten Weltkrieg entfesselt. Die humanistischen Forderungen der „Kinderhymne“ Bertolt Brechts standen an seinem Ende. Sie richteten sich gegen die nationale Selbstzufriedenheit und soziale Borniertheit derer, die mit heiler Haut davongekommen waren und schon wieder (oder immer noch) Gewinne machten.
 
Nach zwanzig Jahren so genannter deutscher Einheit scheint die Erfüllung der Brechtschen Forderungen ferner zu liegen als je zuvor. Trotzdem wird es in diesem Herbst viel Lob für die deutsche Geschichte geben. Das heißt, nur für einen Teil der letzten sechzig Jahre. Der andere wird gern ausgeblendet und die zwölf Jahre davor am besten gleich mit.
 
Das ist nicht unsere Auffassung von Geschichte. Vor allem ist es nicht unsere Auffassung von der Zukunft. Die „Krise“ überwinden? Deutschlands „Sicherheit“ weltweit verteidigen? Vielleicht - zur Dekoration - ein bisschen mehr Ökologie, aber ansonsten alles weiter so? Das war’s dann? Ja. Weiter reichen die Entwürfe nicht. Sie sind ja von kapitalistischen Interessen geprägt.
 
Die „Kinderhymne“ ist ein Gedicht. „Volk“, „gut“, „Land“, „blühen“ und erst recht „deutsch“ und „Einheit“ sind politische Begriffe. „20 Jahre deutsche Einheit“ ist kein Thema, das dem herrschaftlichen Diskurs überlassen werden darf. Es ist ganz besonders unser Thema. Wir können souveräner auf die Geschichte (auch die der DDR!) blicken, kritischer die Gegenwart beleuchten und freier Zukunftsvorstellungen entwickeln.
 
Die unterzeichnenden Gruppen, Organisationen und Parteien laden zu einer Veranstaltung ein, auf der das praktiziert werden soll. Ihr, unsere Adressaten, ebenfalls Gruppen, Organisationen und Parteien, habt alle Eure besonderen Arbeitsschwerpunkte und Eure Sicht auf die Dinge. Wir nehmen „20 Jahre deutsche Einheit“ zum Anlass, Euch zu fragen:
  • Was bedeutet für Euch „deutsche Einheit“? Bedeutet es für Euch überhaupt etwas – warum/warum nicht?
  • Was erscheint Euch im Jahre 2010 als besonderes Problem – Hartz IV, Krieg, Bildungsmisere …?
  • Welche Alternativen seht Ihr? Wie arbeitet Ihr an ihnen? Geht das überhaupt?
  • Hilft Euch ein Blick in die Vergangenheit – oder eher nicht?
  • Welche Unterstützung würdet Ihr Euch wünschen?
 
Ein Infotisch oder Flyer Eurer Gruppe gehören natürlich auch dazu. Es wird aber keine Veranstaltung mit blumengeschmücktem Rednerpult und respektvollem Applaus! Wir wünschen uns, dass alle auf gleicher Augenhöhe miteinander diskutieren. Ob am Ende eine feierliche Resolution oder eine nüchterne Verabredung zum nächsten Arbeitstreffen herauskommt, wird die Diskussion ergeben – spannender und dem Thema angemessener wäre vermutlich Letzteres!
 
Wir freuen uns auf Euren Beitrag. Wenn Ihr die Veranstaltung schon im Voraus mit gestalten wollt, schreibt uns weitere Fragen für die Diskussion oder Kommentare. „Brecht spinnt“ kann ruhig auch dabei sein J
 
Ort und Zeit: Freitag, 15. Oktober 2010, Gaststätte „Nordlicht“ in Rostock-Lichtenhagen, Ratzeburger Str. 8, 16.00-18.30 Uhr
 
Wo das „Nordlicht“ zu finden ist: http://tinyurl.com/38uglnc
 
Es laden ein:
Rostocker Friedensbündnis
dielinke.SDS Rostock
VVN-BdA Rostock
VVN-BdA MV BO Jugend
SDAJ Rostock
IpaR. infoportal für antifaschistische kultur und politik aus Rostock
Die Kommunistische Plattform (KPF) der Partei DIE LINKE. M-V
DIE LINKE. Kreisverband Rostock
 
Weitere Einladende können sich gern noch anschließen. Herzlich willkommen!