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Unsere Grußadresse an die Wiener Friedensbewegung zum Hiroshimatag 2010

Die Wiener Friedensbewegung wird auch 2010 gemeinsam mit der Hiroshima Gruppe Wien ihre traditionelle Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki durchführen. Sie sammelt dazu Botschaften aus aller Welt. Unsere Grußadresse lautet:

Liebe Freundinnen und Freunde in Wien,

herzliche Grüße zum Hiroshimatag aus Rostock! Wir finden es sehr gut, dass Ihr auch dieses Jahr diese Veranstaltung durchführt und bis weit über Eure Landesgrenzen hinaus auf ihr Anliegen aufmerksam macht.

In unserer unmittelbaren Umgebung, dem BRD-Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, wird „Atom" 2010 bedauerlicherweise ganz groß geschrieben. Noch in diesem Jahr werden drei Transporte mit insgesamt neun Castor-Behältern per Bahn zu einem Zwischenlager für Atomabfälle im stillgelegten Atomkraftwerk Lubmin bei Greifswald rollen. Sie sollen Atommüll von verschiedenen Standorten, darunter dem Kernforschungszentrum Karlsruhe, nach Lubmin bringen. Momentan befindet sich ein Teil der Ladung mit einem LKW-Transport auf dem Weg nach Südfrankreich, wo er zusammen mit dort lagerndem Atommüll erst in Castorbehälter verladen werden soll. Der Transport ist aber bereits gestoppt worden, weil an einem der Behälter ein Leck bemerkt wurde. Dieser Fakt schreckt besonders auf und macht die Gefährlichkeit einer solchen Ladung augenfällig. Wie wir alle wissen, wird sie aber auch in den Castoren und an beliebigen Lagerungsorten nie sicher sein.

Eine international unterstützte Protestbewegung ist aktiv. Gerade ist in Greifswald und Umgebung eine Aktionswoche zu Ende gegangen. Zu ihr gehörte auch eine Fahrraddemonstration nach Lubmin, unter anderem mit einer ungeplanten kleinen „Einlage": einem Probesitzen auf den Bahngleisen. Für die Teilnehmer waren nicht nur die Zahlen und Fakten zum Atomkraftwerk Lubmin und seinem bereits existierenden Atommüll eindrucksvoll, sondern auch der Blick auf die Umgebung: Lubmin ist ein Badeort an der Ostsee. Mit den geplanten neuen Atommülleinlagerungen von ganz neuem Umfang ist das friedliche Leben hier zu einer jahrzehntelangen Nachbarschaft mit den strahlenden Hinterlassenschaften einer verfehlten Energiepolitik und einer profitorientierten Forschung verdammt.

Mit Profit hat die Angelegenheit mehr als genug zu tun: Alle deutschen Atomkraftwerke sind abgeschrieben, das heißt, sie bringen nur noch Profit ein. Seit Monaten ist daher, entgegen dem eigentlich längst beschlossenen Atomausstieg, die Verlängerung ihrer Laufzeiten in der politischen Diskussion. Im Herbst soll entschieden werden. Es wurde auch schon über eine Versteigerung von Laufzeiten durch den Staat verhandelt, also eine ganz eigene Art von Public Private Partnership; nur aus Verfahrensgründen ist man derzeit wieder davon abgekommen.

Das Aktuellste für den heutigen Tag ist allerdings, dass durch diese Diskussionen das Thema Atom beständig am (um im Bild zu bleiben) Kochen gehalten wird. Die angeblich so saubere Energie, die die Atomkraftwerke liefern, passt nur zu gut zu den so effizienten Waffen, die man in begrenzten Atomschlägen einsetzen zu können glaubt oder mit Uranmunition und -bomben auf den Schauplätzen der Interventionskriege unserer Tage bereits einsetzt.

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat sich auch schon in der Vergangenheit als Müllkippe „profiliert": mit der Sonderdeponie Schönberg, mit Teilen des so genannten Bombodroms, eines erst vor kurzem als Luft-Boden-Schießplatz aufgegebenen Militärgeländes, die nach Mecklenburg-Vorpommern hineinreichen, und mit dem, was die zahlreichen Militärstandorte im Land an Materiellem und Ideellem produzieren. Auf der anderen Seite stehen Abbau der Infrastruktur, Bildungsmisere und soziale Not, die viele junge Menschen in die Arme der Bundeswehr treibt und sie zum Werkzeug der bundesdeutschen Kriegspolitik werden lässt. Das ist nicht die Zukunft, die wir wollen, weder hier noch anderswo! Lasst uns weiter, gerade an diesem Tag, zusammen dafür arbeiten, dass sich die Dinge ändern!

Wir wünschen Euch einen erfolgreichen Tag!

Rostocker Friedensbündnis

Zum Hiroshimatag in Wien: http://www.hiroshima.at/