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DFG-VK: ARD-Film macht deutsche Kriegspropaganda zur besten Sendezeit

Erklärung der DFG-VK vom 3.2.2009

ARD-Film macht deutsche Kriegspropaganda zur besten Sendezeit

Mit dem am Montagabend als Spielfilm daher kommenden Bericht über die Folgen des Kriegseinsatzes für einen deutschen Soldaten wird dem Zuschauer, aus Sicht der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), der Krieg in Afghanistan allein aus deutscher Besatzungslogik heraus vermittelt.

„Der vielfachen Kritik an dem Kriegseinsatz, an der Besatzung oder an der absurden Logik, Terrorismus mit Krieg begegnen zu können, wird ebenso wenig nachgegangen, wie tausende Tote der NATO-Besatzung oder das Leben der afghanischen Bevölkerung nicht gezeigt werden“, erklärte DFG-VK-Bundesgeschäftsführer Monty Schädel.

Der Film sei „einfach gestrickt“ und bediene das „nicht stimmige Klischee des guten deutschen Soldaten; frei nach dem Motto: Ein deutscher Soldat, der doch nur Gutes wollte, zieht in die Welt hinaus, wird zum Opfer, muss so leiden und keiner kann es verstehen!“ Dieses seien die Geschichten, denen vergangene Generationen bereits folgten und die das Handeln deutscher Soldaten in der ganzen Welt ausklammern. Noch heute seien Anhänger und Angehörige der faschistischen Deutschen Wehrmacht überzeugt, dass sie nur Gutes, ihre Pflicht, getan hätten. Auch dieser Film stellt zwar mehrfach durch die Akteure die Frage ’Hast du in Afghanistan getötet?’, lässt sie dann aber unbeantwortet und wischt mit der Konzentration auf das Opfer ’Deutscher Soldat’ über die Opfer deutscher und verbündeter Soldaten hinweg.

Schädel betont: „Wer allein den Soldaten einer Besatzungsarmee als Opfer darstellt und dabei versäumt, tausende Tote dieser Besatzung mindestens in gleicher Weise darzustellen, macht sich der einseitigen Darstellung und damit der Kriegspropaganda schuldig!“ Der Film jedoch beschäftige sich allein mit der Tatsache, dass ein deutscher Soldat, der in ein fremdes Land als Besatzungssoldat gegangen ist, traumatisiert von Kriegserlebnissen als Opfer zurück kommt.

Die in Ankündigungen des Films kolportierte Aussage, dass durch den Film ein dunkler Bereich der Kriegsfolgen erhellt und mit der Kritik an der mangelhaften Betreuung traumatisierter “Heimkehrer“ durch die Bundeswehr ein Misstand aufgedeckt und somit auch Kriegskritik geübt werde, widerspricht Schädel energisch. „Die Kritik des Films ist so gering, dass sie gut ins Öffentlichkeitskonzept der Bundeswehr, nur das zuzugeben, was sowieso nicht mehr zu leugnen ist, passt. Darüber hinaus kommt der Film der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr sehr zupass, denn ‚Am Ende wird alles gut’’. Die DFG-VK erkennt hierin tendenzielle Berichterstattung und Kriegsrechtfertigung im Unterhaltungsprogrammteil.

Bei der Kritik an der Dürftigkeit des Films verkennt die DFG-VK jedoch nicht, dass auch die aus dem Krieg zurückkommenden Soldaten mit Problemen zu kämpfen haben. Diese jedoch, wie in dem Film versucht, einseitig als DIE Opfer des Kriegseinsatzes darzustellen, geht nach Ansicht von Schädel an den Tatsachen vorbei. Auch die im Film dargestellte Ohnmächtigkeit der Familienangehörigen der „deutschen Opfer“ des Krieges in Afghanistan ist für Schädel unverständlich.
„Niemand ist verpflichtet in einen Krieg zu ziehen! - Niemand muss sich als Soldat verdingen! Es ist immer die Entscheidung des einzelnen Menschen selbst“, bekräftigte der DFG-VK-Geschäftsführer und rief zur Verweigerung des Kriegseinsatzes und des Kriegsdienstes auf. Ebenso warnt er vor allem Familienangehörige davor, das Soldatsein als normalen Beruf zu rechtfertigen. „Zuerst ist ein Soldat ein Täter. Er ist ausgebildet, um Tötungsmaschinen zu bedienen und Menschen zu töten. Er wirkt als Macht und schüchtert ein. Selbst wenn es für den einzelnen Soldaten ehrliche humanitäre Beweggründe geben sollte, so sollten doch auch die Letzten nach Jahren des Krieges erkennen können, dass sich mit dem Krieg der NATO und der Bundeswehr keine Verbesserung für die Menschen in Afghanistan oder die angeblich bedrohte Sicherheit der Bundesrepublik ergeben hat.“

Am Ende bleibt der Film, trotz einzelner kritischer Sequenzen und bedrückender Darstellungen des Soldaten als ein weiteres Opfer des Krieges, ein Propagandastück zur Rechtfertigung des Kriegs- und Besatzungseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan. Die DFG-VK konnte bisher noch nicht untersuchen, wie dieser Film zustande kam, wer ihn beauftragte sowie finanzierte und welche Rolle die Bundeswehr verdeckt oder offen dazu beigetragen hat und wie er zur besten Sendezeit in der ARD präsentiert werden konnte. „Es würde uns aber nicht überraschen, wenn sich in der kommenden Zeit Verbindungen herausstellen, vergleichbar mit der Unterstützung des US-Kriegsministeriums für die amerikanische Filmindustrie, die eine Verwicklung der Bundeswehr deutlich werden lassen“, so Schädel. Für den kritischen Beobachter sei bereits in den letzten Tagen auffällig gewesen, dass allein die Bundeswehr in den Medien die Situation in Afghanistan und auch den Gehalt des Films einschätzen durfte.

Mehr Informationen: http://www.afghanistankampagne.de