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Anschlag auf die Rostocker Synagoge - Solidarität mit unseren jüdischen Nachbarn

In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 2009 wurde auf das Haus Augustenstraße 20 in Rostock ein Anschlag verübt. Fünf Scheiben wurden eingeschlagen, darunter die Scheibe über der Eingangstür, in die ein Davidstern eingeschliffen ist. Bereits in den ersten Tagen nach Neujahr gab es Schmierereien am Haus und einer davor stehenden Hinweistafel. In dem Haus befinden sich die Räume der Jüdischen Gemeinde Rostock und die Rostocker Synagoge. Das Rostocker Friedensbündnis und die Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) verurteilen den Anschlag.

Die heutige Rostocker Synagoge befindet sich nur wenige Schritte vom Standort der historischen Rostocker Synagoge, die während der faschistischen Pogrome im November 1938 zerstört wurde, entfernt. Die Mitglieder der damaligen jüdischen Gemeinde, die nicht mehr fliehen konnten, kamen fast sämtlich in den faschistischen Vernichtungslagern ums Leben. Erst vor 15 Jahren konnte die Jüdische Gemeinde Rostock wiederbegründet werden. In den vergangenen Jahren hat sie durch ihre vielfältigen Aktivitäten bereits weit über den Kreis der Gemeinde hinaus in die Stadt und in das Bundesland ausgestrahlt. Die Gemeinde und der Landesrabbiner sind geachtete Partner für verschiedene gesellschaftliche Akteure und Religionsgemeinschaften. Das jüdische Theater >Mechaje< ist eine von wenigen Einrichtungen seiner Art in der BRD und bildet einen unverzichtbaren Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt.

Die wiedergewonnene Möglichkeit für jüdisches Leben in Deutschland ist ein hohes Gut, das durch nichts in Frage gestellt werden darf. Ein Anschlag wie dieser ist zu allen Zeiten zu verurteilen und seine Ursachen müssen bekämpft werden. In diesen Tagen der Eskalation des Nahostkonflikts ist es aber von besonderer Wichtigkeit, angesichts eines solchen Anschlags nicht zur Tagesordnung überzugehen. Wer diesen Anschlag verübt hat, rechnet möglicherweise auf Sympathie, weil er gegen Juden gehandelt hat. Aber jüdische Menschen und die Politik des israelischen Staates sind nicht dasselbe. Die eingeworfenen Scheiben sind deshalb unabhängig von dem möglichen politischen Hintergrund der Täter Ausdruck einer verachtenswerten antisemitischen Logik.

Wir kritisieren als Teil der Friedensbewegung das militärische Vorgehen des Staates Israels im Gaza-Streifen. Gleichzeitig blenden wir das Leiden der israelischen Zivilbevölkerung (Juden und Nichtjuden) sowie die besondere Angst der jüdischen Bevölkerung des Staates Israel vor einer Bedrohung durch arabische Antisemiten nicht aus.

Wir verurteilen den Anschlag und fordern seine sofortige und lückenlose Aufklärung. Der Jüdischen Gemeinde in Rostock, unseren jüdischen Nachbarn, gilt unsere Solidarität und Unterstützung. Wir haben bereits Kontakt zur Jüdischen Gemeinde aufgenommen, um unserer Solidarität praktischen Ausdruck zu verleihen.

Rostocker Friedensbündnis
Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg der DFG-VK