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Weihnachten 2008: Unsere Rundmail vom 24. Dezember

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Freundinnen und Freunde!

>So this is Christmas And what have we done?<
(Lennon/Ono: War Is Over, 1971)

2008 war auch für die Friedensbewegung in mancher Hinsicht ein bemerkenswertes Jahr: Zum ersten Mal hörte man aus dem Mund von ehemaligen Politikern und Vertretern des Bundeswehrverbandes die Wahrheit - dass die BRD in Afghanistan Krieg führt. Auf dem Gelände des Bendlerblocks wurde der Grundstein für ein Gefallenen-Ehrenmal gelegt. Nachrichten von der Ermordung afghanischer Zivilisten durch BRD-Soldaten erreichten genauso die breite Öffentlichkeit wie die, dass Bundeswehrsoldaten >>gefallen<< waren.Während ein Plakat in Postfilialen (wo es noch welche gibt) für Feldpost wirbt, wurde ein antimilitaristisch-satirisches Plakat auf der Homepage eines DFG-VK Landesverbandes mit der Darstellung eines Sarges zum Anlass genommen, jegliche Opposition gegen den Krieg zu verunglimpfen. Subtilere Formen mentaler Aufrüstung waren im Kino zu sehen: die Abrechnung mit >>dem Terror<< (>>Der Baader-Meinhof-Komplex<<, gefördert mit 200 Millionen Steuer-Euro), die Umdeutung der Befreiung Deutschlands vom Faschismus durch die Sowjetarmee 1945 (>>Anonyma - Eine Frau in Berlin<<) und das neueste Erzeugnis des Nazi-Genres Bergsteigerfilm (>>Nordwand<<). 2008 war auch das Jahr, in dem wir das Wort >>Gehirnschwurbel<< lernten: So nannte im Bundestag der CSU-Politiker Johannes Singhammer die Aussage Monty Schädels, des Politischen Geschäftsführers der DFG-VK, der Wehrdienst in der Bundeswehr sei eine Schule zur Ermordung anderer Menschen.

2008 wurden die ersten zwei der fünf zurzeit aggressivsten Kriegsschiffe der NATO, der Korvetten der K130-Klasse, in Rostock-Hohe Düne stationiert. Jetzt zieht die Druckerei der Marine nach Rostock um und rückt damit näher an das Marineamt, die Schaltstelle für Ausbildung und Logistik der Deutschen Marine, die sich bereits seit Jahren hier befindet. Wir erlebten, wie das Land eine alte militaristische Tradition wieder ausgrub und dem 1. Korvettengeschwader das >>Fahnenband des Landes Mecklenburg-Vorpommern<< verlieh, voller Stolz auf die vermeintliche Wirtschaftskraft von Rüstungsindustrie und Militärstützpunkten und mit der anderen Hand soziale Errungenschaften und die Kulturlandschaft zusammenstreichend.

Wir begleiteten die Feierlichkeiten der Marine mit Protesten. In diesem Jahr haben wir erstmals auch auf der Hanse Sail auf die Militarisierung des Seglertreffens und Festes durch die Teilnahme von Kriegsschiffen und Bundeswehr-Werbeständen aufmerksam gemacht. Außerdem waren wir wieder einmal mit unserem Thema Ernst Heinkel/Hans Joachim Pabst von Ohain in den Medien. Mit unserer Arbeit in der Initiative Ilja Ehrenburg haben wir dazu beitragen können, dass eine Umbenennung der Rostocker Ilja-Ehrenburg-Straße auch 2008 nicht stattfand, und bereiten für 2009 eine Ilja-Ehrenburg-Ausstellung mit vor. Und wir haben endlich eine lang gehegte Idee umgesetzt: einmal einen Alternativen Weihnachtsmarkt zu organisieren. Daneben lief die tägliche Arbeit: Wir haben Aktionen geplant, Probleme diskutiert und Erfolge gefeiert, haben Texte verfasst, waren zu Diskussionen in der Stadt und im Land unterwegs und bei mancher Kundgebung und Demonstration dabei, zuletzt beim Schulstreik in Rostock am 12. November. Ostermarsch und Kundgebung zum Weltfriedenstag sind inzwischen feste Daten in Rostock; dafür haben wir auch in diesem Jahr gesorgt, und das soll auch so bleiben.

Aber wir schaffen es nicht allein. Bewährte Kontakte und Formen der Zusammenarbeit haben wir auch 2008 festigen und ausbauen können. Die guten Ansätze für eine MV-weite Vernetzung der Friedensbewegung, die es schon 2007 gab, verdienen ebenfalls eine Fortführung. Wir sind aber sicher, dass wir auch Partner in anderen Gruppen, Organisationen und einzelnen potenziellen Mitstreitern haben. Die BRD führt seit Jahren Krieg, nach außen und nach innen: Das stellt sich nicht so spektakulär dar wie der Überfall auf den Irak vor fünf Jahren, prägt das Klima im Land und international aber mit jedem Jahr mehr. In diesem Sinne ist die Vorbereitung auf die Proteste gegen die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Militärbündnisses NATO im April 2009 (wir denken über einen MV-Bus zur Demonstration am 4. April nach) ein konkretes Vorhaben, für das wir zur Zusammenarbeit aufrufen.

Auch 2009 wird das Rostocker Friedensbündnis vor allem von der praktischen Aktivität seiner Mitglieder und Unterstützer leben, aber nicht allein: Da das Rostocker Friedensbündnis seine Arbeit ausschließlich aus Spenden finanziert und auch in Zukunft finanziell unabhängig von Großorganisationen und Parteien bleiben will, bitten wir um Spenden auf unser Spendenkonto:

Rostocker Friedensbündnis
Konto-Nr.: 1220 1331 47
bei der Ostseesparkasse Rostock
Bankleitzahl: 130 500 00

Jeder Betrag zählt: 5,- EUR sind so z.B. 100 Flugblätter.

Eine Möglichkeit, die Arbeit der Friedensbewegung dauerhaft zu unterstützen, ist die Mitgliedschaft in der DFG-VK. Die DFG-VK Regionalgruppe ist Teil des Rostocker Friedensbündnisses, die Mitgliedschaft dort stärkt deshalb sowohl das Rostocker Friedensbündnis als auch die bundesweite Arbeit der DFG-VK als bundesweiter Organisation der Friedensbewegung. Nähere Informationen: www.dfg-vk.de

>A verry merry Christmas and a happy New Year!<:

Schöne Feiertage und ein aktives neues Jahr für uns alle!

Mit den besten Grüßen
Rostocker Friedensbündnis
und Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)  
 

(Übrigens, wer in unseren Verteiler möchte: Kurze Email an rostocker-friedensbuendnis@web.de genügt!)